Eurostat veröffentlicht Kosten- und Nutzenevaluierung

01.10.14 15:52

EPSAS würden Deutschland bis zu 2,3 Mrd. Euro kosten

Von Katharina Schlüter

Am Dienstag veröffentlichte Eurostat die lange erwartete Kosten- und Nutzenevaluierung einer möglichen EPSAS-Einführung. Eurostat sieht sich durch die Studie darin bestätigt, dass der Nutzen der Einführung die Kosten übersteigen würde. Wesentlicher Kostentreiber der Einführung ist die Qualität der IT-Systeme.

Bis zu 2,3 Milliarden Euro würde eine EPSAS-Einführung in Deutschland kosten, die deutschen Kommunen müssen mit Kosten von bis zu 204 Millionen Euro rechnen. Dies ist ein Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Studie zu den Kosten und dem Nutzen einer möglichen Einführung harmonisierter Rechnungslegungsstandards für die öffentliche Hand in Europa (EPSAS). Die 247 Seiten umfassende Studie wurde im Auftrag von Eurostat von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC erstellt.

Eurostat sieht sich durch die Ergebnisse bestätigt: „Die Studie zeigt, dass der zu erwartende Nutzen einer EPSAS-Einführung die Kosten übersteigen wird“, so Eurostat gegenüber DNK. Dabei wurden die Kosten in einer Szenarioanalyse abgeschätzt und variieren je nach Szenario stark. Da es EPSAS bislang noch gar nicht gibt, haben die Autoren als Basis zur Berechnung der Kosten die Doppik und die internationalen Standards IPSAS herangezogen.

Konkrete Grundlage der Berechnungen für Deutschland war eine Befragung der Stadt Essen und des Landes Hessen – beide haben schon länger auf die Doppik umgestellt. Zusätzlich wurden die Erfahrungen in anderen Ländern sowie die zusätzlichen Aufwendungen für eine IPSAS-Einführung in die Berechnung einbezogen. Für die kommunale Ebene in Deutschland beziffert die Studie die Umstellungskosten auf zwischen 35 und 204 Millionen Euro. Die Szenarien unterscheiden sich im Wesentlich durch Annahmen in Bezug auf die Qualität der bereits implementierten IT-Systeme.

Im Gegensatz zu den Kosten wird der Nutzen einer EPSAS-Einführung nicht flächendeckend quantifiziert. Nur für Frankreich lägen entsprechende Berechnungen vor, auf eine Hochrechnung habe man aber verzichtet, so Eurostat. Der angeführte Nutzen einer Einführung gehe dabei jedoch deutlich über die bloße Bereitstellung statistischer Daten hinaus.

Ursprünglich wurde eine EPSAS-Einführung damit begründet, dass eine mangelnde Vergleichbarkeit der Statistiken der öffentlichen Hand einer weiteren Integration Europas im Wege stehe. Auslöser für die Forderungen nach einer harmonisierten Rechnungslegung war die Staatsschuldenkrise. Die PwC-Studie sieht den Nutzen einer EPSAS-Einführung jedoch vor allem in einer verbesserten Steuerung der öffentlichen Hand auf Basis doppischer Zahlen.

Die Studie bestätigt die IPSAS als Basis für eine Entwicklung der EPSAS. So werden die IPSAS in drei Gruppen eingeteilt: Die Standards der ersten Gruppe müssten noch komplett neu entwickelt werden (EPSAS Framework), die Standards der zweiten Gruppe müssten modifiziert werden (z.B. IPSAS 29 und 30 zu Finanzinstrumenten), die Standards der dritten Gruppen könnten ohne Änderung übernommen werden (z.B. IPSAS 12 zu Vorräten).

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de

Die Eurostat-Studie kann hier abgerufen werden.