Studie zur Finanzlage der Kommunen

29.11.16 11:38

Hessen: Großstädte bauen Schulden ab

Von Ariane Mohl

Im bundesweiten Vergleich stehen die hessischen Großstädte beim Thema Schulden laut einer aktuellen Studie gut da. Doch es gibt auch Ausnahmen.

Die Mehrheit der hessischen Großstädte konnte im vergangenen Jahr Schulden abbauen oder sind zumindest nicht tiefer in die roten Zahlen gerutscht. In drei von fünf betroffenen Städten ist die Pro-Kopf-Verschuldung im Jahr 2015 entweder gesunken oder gleich geblieben. Zwei Städte verzeichnen einen Anstieg der Gesamtverschuldung.

 

Das ist das Ergebnis einer Studie der Beratungsgesellschaft EY, die die Kern- und Extrahaushalte von 73 deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern untersucht hat. Berücksichtigt wurden auch die Schulden öffentlicher Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, an denen die Städte zu 100 Prozent beteiligt sind. Die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen blieben außen vor.

 

Im Zeitraum von 2012 bis 2015 konnten die fünf betroffenen Großstädte in Hessen die Pro-Kopf-Verschuldung von 4.448 Euro auf 3.922 Euro senken. Zum Vergleich: In den rheinland-pfälzischen Großstädten, die derzeit die mit Abstand höchste durchschnittliche Pro-Kopf-Verschuldung aufweisen, liegt sie bei 6.939 Euro.

Schulden: Offenbach bleibt das Sorgenkind

Obwohl die hessischen Städte vergleichsweise gut dastehen, ist nicht alles rosig. Sorgenkind bleibt die Stadt Offenbach am Main, die laut Studie deutschlandweit zu den drei Großstädten mit der höchsten Pro-Kopf-Verschuldung bezogen auf den Kernhaushalt gehört. Jeder Einwohner steht dort mit 7.814 Euro in der Kreide. Nur in Mülheim an der Ruhr (7.869 Euro) und Oberhausen (8.817 Euro) ist die Pro-Kopf-Verschuldung noch höher.

 

„Die Maßnahmen der Politik zur Bekämpfung der kommunalen Schuldenkrise greifen bei einigen der betroffenen Städte – aber längst nicht bei allen“, kommentiert EY-Partner Bernhard Lorentz, der für den öffentlichen Sektor in Deutschland, der Schweiz und Österreich zuständig ist, die Ergebnisse der Studie. Wohlhabende Städte hätten finanziellen Spielraum und könnten sich besser um neue Unternehmen bemühen als Städte mit hohen Schulden. Finde die Politik nicht einen Weg gegenzusteuern, drohe eine Zementierung der kommunalen Zweiklassengesellschaft, die nur schwer wieder rückgängig gemacht werden könne, warnt Lorentz.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de