Immer weniger Flüchtlinge in Hessen

21.04.16 13:39

Hessen schließt Flüchtlingsheime

Von Ariane Mohl

Weil deutlich weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen, macht Hessen mehrere Erstaufnahmeeinrichtungen dicht. Kommunen sollen nun die Chance bekommen, die Heime zu übernehmen. Auch in vielen anderen Bundesländern sind die Flüchtlingsheime derzeit nicht ausgelastet.

Das Bundesland Hessen will nach Informationen der Frankfurter Rundschau (FR) Flüchtlingsheime an 23 Standorten mit zusammen 10.000 Plätzen schließen. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sagte der FR, dass derzeit deutlich weniger Flüchtlinge nach Hessen kämen als in den letzten Monaten. Daher könne man die Kapazitäten verringern.

 

Die Unterkünfte sollen mit Blick auf laufende vertragliche Verpflichtungen nicht von heute auf morgen geschlossen werden, sondern „sukzessive im Laufe der nächsten Monate“. Vor der eventuellen Stilllegung möchte das Land den Kommunen anbieten, die Unterkünfte zu übernehmen, um dort die ihnen zugewiesenen Flüchtlinge unterzubringen.

Flüchtlingsunterbringung: In einigen Ost-Ländern sind 80 Prozent der Plätze frei

Derzeit leben knapp 12.000 Flüchtlinge in den Unterkünften des Landes. 2.300 werden nun wegen der Schließungen in den verbliebenen 19 Heimen untergebracht. Weitere 20 Standorte mit 15.000 Plätzen will das Land in Reserve halten, um sich für einen möglichen erneuten Anstieg der Flüchtlingszahlen zu rüsten.

 

Hessen ist nicht das einzige Bundesland, in dem Flüchtlingsunterkünfte leer stehen. Eine aktuelle Umfrage der Fachzeitschrift Kommunal hatte ergeben, dass in den Flüchtlingsunterkünften der Bundesländer mehr als 160.000 Plätze frei sind. In acht Bundesländern ist nach Kommunal-Recherchen weniger als ein Drittel der vorhandenen Plätze belegt: in Baden-Württemberg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen.

 

Laut Umfrage hat Thüringen mit 15 Prozent die bundesweit niedrigste Belegungsquote. In Sachsen und Niedersachsen sind jeweils nur 19 Prozent der Plätze belegt. So kann etwa Niedersachsen zwar bis zu 40.000 Flüchtlinge unterbringen, doch nur rund 7.700 Flüchtlinge wohnten zum Stichtag 1. April in den Unterkünften.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de