Neue Schätzung der Flüchtlingskosten

11.11.15 13:21

Ifo-Institut: 21 Milliarden Euro für Flüchtlinge

Von Katharina Schlüter

Das Wirtschaftsforschungsinstitut ifo hat seine Prognose der flüchtlingsbedingten Mehrkosten deutlich nach oben korrigiert und rechnet jetzt mit Kosten von 21 Milliarden Euro in 2015. Für die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt sei die Abschaffung des Mindestlohns wichtige Voraussetzung.

Das Münchener Wirtschaftsforschungsinstitut ifo hat seine Schätzung der Flüchtlingskosten deutlich erhöht: Allein für 2015 geht das ifo nun von Kosten in Höhe von 21,1 Milliarden Euro aus. Annahme ist, dass 1,1 Millionen Menschen nach Deutschland kommen. Bislang war das ifo von rund 10 Milliarden Euro flüchtlingsbedingten Mehrkosten ausgegangen, Basis waren bisher 800.000 Menschen gewesen. Wie ifo-Forscherin Prof. Dr. Gabriel Felbermayr erläuterte, beinhalten die gut 21 Milliarden Euro nun die Kosten für Unterbringung und Ernährung sowie für Kitas, Schulen, Deutschkurse, Ausbildung und die Verwaltung.

 

Felbermayr betonte, dass die Qualifikation der Flüchtlinge ausschlaggebend für eine mögliche Integration und damit auch für die Kosten sei. Viele Flüchtlinge seien schlecht ausgebildet. Auch die Wirtschaft ist in Bezug auf den Einsatz von Flüchtlingen in qualifizierten Positionen skeptisch. So glauben rund 40 Prozent der vom ifo befragten Industrie- und Bauunternehmer, dass Flüchtlinge nur als Hilfsarbeiter gut einsetzbar seien. Bei der Arbeitsmarktintegration sei der Mindestlohn ein wesentliches Hemmnis. Das ifo fordert daher, den Mindestlohn komplett abzuschaffen – nicht nur für Flüchtlinge, sondern für zumindest alle jungen Arbeitnehmer ohne Qualifikation.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de