Finanzdebakel um den 1. FC Kaiserslautern

14.03.18 13:53

Kaiserslautern: Stadtrat senkt Stadionpacht

Von Andreas Erb

Der angeschlagene Fußballverein 1. FC Kaiserslautern darf künftig weniger Stadionmiete zahlen. Darauf hat der Rat der Stadt sich nun verständigt. Vorausgegangen waren hitzige Diskussionen um die Rettung des Vereins – unter anderem stand zwischenzeitlich eine Anhebung der Grundsteuer zur Debatte.

Die Stadt Kaiserslautern greift dem strauchelnden Zweitligafußballklub 1. FC Kaiserslautern unter die Arme und reduziert dessen Stadionpacht. Am Dienstagabend votierte der Stadtrat in einer Sondersitzung dafür, der städtischen Stadiongesellschaft als Vermieterin zusätzliches Kapital zuzuführen. Dieses Geld soll den jährlichen Mietausfall ausgleichen. Die Miete, die eigentlich bei 3,2 Millionen Euro liegt, beträgt für die kommenden zwei Spielzeiten bis 2020 in der zweiten Liga nun nur noch 2,4 Millionen Euro.

 

Bei einem Abstieg in die dritte Liga wären es sogar nur noch 425.000 Euro. Käme der Verein in einer Drittligasaison auf durchschnittlich 19.000 Zuschauer pro Spiel, würde sich die Pacht allerdings um 100.000 Euro erhöhen. Auch für den theoretischen Fall, dass der FCK in die erste Liga aufsteigt, sind Zusatzzahlungen vereinbart worden. Man wolle dem Verein aber nicht „zu enge finanzielle Fesseln“ anlegen, um ihm nicht die Aufstiegschancen zu nehmen, sagte Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) in der Sitzung. Denn für sportlichen Erfolg brauche man „Spielmasse“.

"Millionenschwerer Schaden zulasten der Steuerzahler"

In Abstimmung mit der Kommunalaufsicht gleicht die Stadt die Differenz zur bisherigen Mietsumme aus ihrem Haushalt aus. Zudem ist geplant, die Vergnügungssteuer zu erhöhen, was 400.000 Euro bringen soll. Massive Kritik an dem Beschluss kommt vom rheinland-pfälzischen Bund der Steuerzahler. „Wir hatten gehofft, dass sich im Stadtrat dieses Mal eine Mehrheit zugunsten der Bürger von Kaiserslautern formieren würde“, sagt dessen Geschäftsführer René Quante. „Aber leider haben sich im Rat die FCK-Fans durchgesetzt, die gewillt sind, einen millionenschweren Schaden zulasten der Steuerzahler hinzunehmen.“

 

Gleichzeitig forderte der Stadtrat auf Betreiben von SPD und CDU den Verein auf, Regressansprüche gegenüber ehemaligen Funktionären zu prüfen und diese gegebenenfalls an die Stadt abzutreten. Der Oberbürgermeister solle hier „Druck auf den FCK ausüben“, betonte SPD-Fraktionschef Andreas Rahm. Die Ex-Führung des sportlich und finanziell angeschlagenen Vereins um den damaligen Vorstandsvorsitzenden Stefan Kuntz wurde bei der Mitgliederversammlung 2016 nicht entlastet. Ihnen wird Misswirtschaft vorgehalten.

 

a.erb@derneuekaemmerer.de

Einen ausführlichen Hintergrundbericht zu den finanziellen Entwicklungen um den FCK finden Sie in der neuen DNK-Ausgabe, die an diesem Freitag erscheint.