Das alte Kreishaus des Herzogtum Lauenburg: Es war Anlass für die Kommune ihren Immobilienbestand zu hinterfragen.

Kreis Herzogtum Lauenburg/Tim Leufker, Hamburg

02.09.20
Haushalt

Fragen der Organisation sind Fragen des Raums

Wie lassen sich kommunale Gebäude und Flächen effizient nutzen? Ein aktives Portfoliomanagement verzahnt Aspekte der Organisation mit dem Thema Raum und gleicht diese kontinuierlich miteinander ab.

Der Kreis Herzogtum Lauenburg stand vor der Sanierung seines Haupthauses. Um die hohen Investitionen in das Gebäude möglichst effizient zu tätigen, hinterfragte die Kommune ihren Bestand an Immobilien und Liegenschaften. Insgesamt ging es um 16 Immobilien, wovon drei angemietet waren. Wie mit dem Bestand umgehen, welche Raumkapazitäten ergeben sich bei der Sanierung, und wo liegen Effizienzpotentiale?

Der Fall verdeutlicht die Chancen, die sich aus einem aktiven Portfoliomanagement, das interdisziplinäre Aspekte berücksichtigt, ergeben. Demnach tun Kommunen gut daran, Fragen der Verwaltung und der Organisation mit dem Thema Raum zu verzahnen und kon­tinuierlich abzugleichen. Dies gilt nicht nur für Landkreise, deren Standorte über Gemeinde­grenzen hinweg platziert sind, sondern etwa auch für Städte, deren Verwaltungseinheiten im Stadtgebiet verteilt liegen.

Mehr zu diesem Thema beim virtuellen Kongress:

16. Deutscher Kämmerertag

vom F.A.Z.-Fachverlag

Der Zukunftskongress
für die kommunale Verwaltungsspitze

MEHR ZUR DIGITALKONFERENZ »

Entscheidungen über bauliche Moder­nisierungen stünden immer im Zusammen­hang mit den Funktionen der Gebäude, unterstreicht Melanie Kunzmann, Ko-Leiterin der Bereichs „Kommunalberatung Bau/Infra­struktur“ bei der „PD – Berater der öffent­lichen Hand GmbH“. Die PD begleitete die Konzepterstellung des Landkreises. „Es ist daher naheliegend, dass der, der über den Gebäudebestand nachdenkt, dies auch über die Organisation der Verwaltung und ihre sich in der Zukunft ändernden Raumbedarfe tut.“ Kunzmann spricht im Sinne eines stetigen Portfoliomanagements von einem integrierten Blick auf den Gebäudebestand einer Kommu­ne und die Anforderungen daran.

Dazu gehöre, die Arbeitsprozesse der Verwaltung zu kennen, Funktions- und Kom­munikationsbeziehungen zwischen Fachab­teilungen zu verstehen sowie letztlich die Dienstleistungsqualität im Sinne der Bürger in den Mittelpunkt zu rücken, sagt Per Wiegand, Ko-Leiter des Bereichs „Kommunalberatung Strategische Verwaltungsmodernisierung“ bei der PD. Dabei spiele die Anforderung, inner­halb der Verwaltung fachlich vernetzter zu ar­beiten, eine durchaus wachsende Rolle. „Die Interdisziplinarität in der Verwaltung wächst.“ Dies wirke sich auf die Raumgestaltung aus.

Wandel wirkt auf Raumbedarfe

Das Aufgabenspektrum einer kommu­nalen Verwaltung sei ohnehin immer einem Wandel unterworfen – etwa durch neue Ge­setze oder politische Entscheidungen, erklärt Kunzmann. Kommunen stünden also in be­sonderem Maße vor der ständigen Heraus­forderung, ihre auch räumlichen Strukturen diesem Wandel anzupassen.

Idealerweise sei das Management eines Gebäudebestands daher mit einer gewissen Flexibilität ausge­legt. Aktives Portfoliomanagement bedeute, stets perspektivische Entwicklungen wie zum Beispiel das Wachstum oder die Schrumpfung einer Organisationseinheit sowie ihrer Raum­bedarfe vorausschauend einzubeziehen.  

Drei Maximen bei der Raumkonzeption

Am Fallbeispiel des Kreises Herzogtum Lauenburg zeigen sich drei Maximen, nach denen sich eine Konzeption richten kann.  


Erstens: die Absicherung der Dienstleis­tungsqualität mit dem Ziel, eine bürgernahe Platzierung der Verwaltungsfunktionen in der Fläche sicherzustellen.  


Zweitens: eine hohe Arbeitsqualität. Dazu gehören Elemente einer modernen Büroorganisation – auch um die Attraktivität der Arbeitsplätze in der Verwal­tung beim Ringen um Fachkräfte zu erhöhen. Das diesbezügliche Spektrum kann breit sein und von Home-Office-Lösungen, die Auswir­kungen auf Raumbedarfe entfalten, bis hin zu modernen Großraumbüros oder Loungezonen in Wartebereichen reichen.  

Drittens: die Wirt­schaftlichkeit der genutzten Immobilien.

a.erb(*)derneuekaemmerer(.)de

Näheres zum Thema „Nachhaltige Investitionssteuerung für Portfolien“ gibt es im gleichnamigen Arbeitskreis beim Deutschen Kämmerertag am 1. Oktober. Dazu sprechen Christoph Mager, Landrat des Kreises Herzogtum Lauenburg, die Münsteraner Kämmerin Christine Zeller sowie Melanie Kunzmann von der PD.

(Der Beitrag stammt aus der OBM-Zeitung 1/2019.)