Revisoren fordern Aufwertung des eignen Berufsstandes

17.11.16 11:47

Rechnungsprüfer veröffentlichen „Weckruf“

Von Katharina Schlüter

Die kommunalen Rechnungsprüfer fordern eine bessere personelle, technische und finanzielle Ausstattung. Nur so könnte die Rechnungsprüfung von einer kommunalen Pflichtaufgabe zu einem Wirtschaftsfaktor entwickelt werden. Die im IDR vertretenen Revisoren sprechen sich außerdem für die in der kommunalen Welt umstrittene Einführung der europäischen Rechnungslegungsstandards EPSAS aus.

Die im Institut der Rechnungsprüfer (IDR) vertretenen kommunalen Rechnungsprüfer fordern eine deutliche Verstärkung und Aufwertung der Prüfung öffentlicher Haushalte und Bilanzen. Wichtig sei, dass Rechnungsprüfer schon im Rahmen von Projektplanungen (ex-ante) prüfen, anstatt nur im Nachgang Kostenexplosionen festzustellen. „Beispiele wie der Flughafen Berlin-Brandenburg, Stuttgart 21 oder die Elbphilharmonie zeigen, dass wir in Deutschland top-ausgebildete, motivierte Revisoren brauchen, die von Anfang an in die Planung eingebunden werden. Nur so können wir verhindern, dass die Kosten nicht regelmäßig aus dem Ruder laufen“, begründete der scheidende IDR-Präsident Hartmut Heiden den sogenannten „Weckruf“.

Rechnungsprüfer wollen mehr Verantwortung und mehr Ressourcen

In ihrer Erklärung treten die Rechnungsprüfer auch für eine deutliche Ausweitung ihrer Aufgaben ein. So solle die Rechnungsprüfung nicht nur die Kosten prüfen, sondern auch dazu betragen, dass Kommunen ihre Ertragspotenziale auszuschöpfen. Auf diese Weise würde sich die Rechnungsprüfung von einer „kommunalen Pflichtaufgabe“  zu einem für die strategische Finanzplanung unverzichtbaren Wirtschaftsfaktor entwickeln. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, müsse die Rechnungsprüfung allerdings unabhängiger aufgestellt und personell wie finanziell besser ausgestattet werden.

Revisoren für EPSAS

Die Rechnungsprüfer setzen sich auch für Vereinheitlichungen ein. So fordern sie – die in der kommunalen Welt umstrittene – Einführung der europäischen Rechnungslegungsstandards EPSAS. Außerdem erfordere eine bessere Kostenkontrolle die Vernetzung und den Datenaustausch auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. So würden Insellösungen vermieden und ein strategisches Benchmarking öffentlicher Projekte und Ausgaben ermöglicht.

Keine „Privatisierung“ der Rechnungsprüfung

Gleich im ersten Abschnitt ihrer Erklärung stellen die Rechnungsprüfer klar, dass eine „Privatisierung“ der Rechnungsprüfung einer unabhängigen Finanzkontrolle zuwider laufe. Den Überlegungen mancher Kommunen, die Rechnungsprüfung auf externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaften zu übertragen, erteilen die kommunalen Revisoren damit eine klar Absage. Über die Beauftragung von Wirtschaftsprüfern oder technische Sachverständige wollen die Rechnungsprüfer selbst entscheiden.  

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de