06.02.14
Haushalt

„Sie-gegen-uns-Attitüde“

Banker vs. Pensionäre: Im Insolvenzverfahren von Detroit verhärten sich die Fronten. Analysten glauben, dass sich die „Bevorzugung“ der Pensionäre negativ auf die Finanzierungskonditionen aller US-Städte auswirken könnte.

Vergangene Woche Mittwoch präsentierte Detroits Zwangsverwalter Kevyn Orr den Gläubigern den vorläufigen, vertraulichen Restrukturierungsplan (Plan of Adjustment). Bis Mitte Februar will er den finalen Plan beim Insolvenzgericht einreichen, bis Ende des Jahres soll das Insolvenzverfahren abgeschlossen sein. Orr sagte, dass der Restrukturierungsplan alle Gläubiger „fair und gleich“ behandle.

 

Dies sehen aber nicht alle so. Wie die New York Times berichtete, finden Banken, Anleiheinhaber und andere Kreditoren, dass der Restrukturierungsplan sie gegenüber anderen Gläubigern, insbesondere den städtischen Pensionären, benachteilige. So müssten Anleihehalter auf den größten Teil ihrer Forderungen verzichten, argumentiert Matt Fabian vom Finanzberater Municipal Market Advisors. Der Fall Detroit scheine darauf hinauszulaufen, „dass das Gericht unwilligen Kreditoren Verluste aufzwänge“. So würden die 24.000 städtischen Rentner nur die Hälfte ihrer Forderungen verlieren, Anleihehalter und andere Kreditoren aber bis zu 90 Prozent.

Schlecht für alle US-Städte?

Banker, Analysten und Finanzberater warnen, dass sich die Entwicklungen in Detroit negativ auf die Kreditwürdigkeit anderer öffentliche Gläubiger in den USA auswirken könnte: „Das Vorgehen und die Rhetorik im Fall Detroit deuten darauf hin, dass Anleihehalter in dem Insolvenzverfahren nicht wichtig sind. Das Ansehen von Staaten und Städten an den Finanzmärkten wird so weiter beschädigt“, schreibt Fitch-Analystin Amy Laskey in einem aktuellen Bericht. Kritisch sieht sie, dass das Land Michigan die Stadt Detroit mit 350 Millionen US-Dollar bezuschussen will, wobei das Geld zweckgebunden in die Finanzierung von undeckten Pensionsverpflichtungen fließen soll. Da der Gouverneur gleichzeitig klar stellte, dass das Land keine Mittel zur Verfügung stellen würde, um Anleihehaltern oder der „Wall Street“ zu helfen, würde eine „Wir-gegen-sie-Attitüde“ widerspiegeln. „Dies untergräbt das Vertrauen darin, dass öffentliche Schulden in Michigan zurückgezahlt werden“, so Laskey.

 

 

k.schlueter(*)derneuekaemmerer(.)de

 

 

Über die Hintergründe zum Insolvenzverfahren der Stadt Detroit berichtet Der Neue Kämmerer in seiner kommenden Ausgabe, die am 21. Februar erscheint.