Wirtschaftsförderung ist in Bonn jetzt Chefsache

11.11.15 14:50

Sridharan: OB muss sich um Unternehmen kümmern

Von Katharina Schlüter

Seit Oktober ist Ashok Sridharan (CDU) Oberbürgermeister der Bundesstadt Bonn. Im DNK-Interview spricht er über die Bedeutung des Berlin/Bonn-Vertrages und die Lehren aus dem Wegzug der Bonner Traditionsunternehmen Haribo und Zurich.

Fotoquelle: M. Sondermann/Stadt Bonn

Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan

Die Fragen stellte Katharina Schlüter.

 

Herr Sridharan, Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) scheint den Umzug aller Bundesbeschäftigen nach Berlin vorantreiben zu wollen. Was würde das für Bonn bedeuten?

Im Berlin/Bonn-Gesetz sind die Verteilungen klar geregelt, es gibt überhaupt keinen Anlass, dieses Gesetz jetzt einseitig zu Lasten der Bundestadt Bonn zu verändern. 150 NGOs haben ihren Sitz in Bonn, Bonn ist deutsche Stadt der Vereinten Nationen mit 18 Organisationen. Dies liegt daran, dass deren Ansprechpartner in den Ministerien in Bonn sitzen.

 

Schon klar, dass Sie als Bonner Oberbürgermeister gegen den vollständigen Umzug sein müssen. Aus Bundesperspektive stellt sich aber doch schon die Frage: Ist es wirklich effizient, dass so viele Mitarbeiter zwischen Bonn und Berlin hin- und herpendeln?

Dazu zwei Punkte: Erstens belastet das Hin- und Herpendeln den Bundeshaushalt mit unter 10 Millionen Euro jährlich deutlich weniger als ein vollständiger Umzug, denn die Verlagerung der Arbeitsplätze wäre mit signifikanten Investitionen verbunden. Selbst angesichts des historischen Zinstiefs würden die Kapitalkosten immer ein Vielfaches der Kosten betragen, welche die zwei Standorte mit sich bringen. Zweitens: Bonn ist die Wiege der Bundesrepublik Deutschland. Wir sind stolz auf unseren föderalen Staat – da ist es ja durchaus sinnvoll, dass sich die Ministerien auch entsprechend der föderalen Prinzipien nicht alleine in Berlin konzentrieren.

 

Nicht nur der potentielle Wegzug der Bundesregierung macht der Bundesstatt zu schaffen: Zwei große Bonner Traditionskonzerne – der Süßwarenhersteller Haribo und der Versicherungskonzern Zurich – haben Bonn den Rücken gekehrt. Sie haben das Thema Wirtschaftsförderung zur Chefsache gemacht. Wie lassen sich solche Abwanderungen verhindern?

Ich möchte nicht in die Vergangenheitsbewältigung einsteigen. Ich kann aber sagen, was man aus den beiden genannten Fällen für die Zukunft lernen kann. Haribo hat sich nicht plötzlich dafür entschieden, Bonn zu verlassen. Das war ein Prozess, der über 15 Jahre lief. Haribo fehlten Gewerbeflächen mit passender Verkehrsanbindung. Die Firma ist auf kleinere Nachbarkommunen zugegangen, doch diese hatten nicht die Kapazitäten, entsprechende Flächen zu entwickeln. In so einem Fall müssen Stadt und Umlandgemeinden gemeinsam eine Lösung finden. So könnte man sich zuerst die Kosten der Flächenerschließung und später dann die Gewerbesteuereinnahmen teilen.

 

Und was lernen Sie aus dem Fall Zurich?

Der Fall Zurich ist anders gelagert. Das Problem hier war, dass der Versicherungskonzern in einem sanierungsbedürften Gebäude saß. Man entschied sich dann gegen eine Sanierung und für einen Neubau – allerdings in Köln. Ob man dies hätte verhindern können, weiß ich nicht: Köln ist Versicherungsstadt, das hat sicherlich aus Unternehmenssicht viele Vorteile. Trotzdem zeigt der Fall Zurich, dass der Oberbürgermeister viel näher an den Unternehmen dran sein muss. Wenn man die Wünsche und Sorgen kennt, kann man frühzeitig schauen, ob man vielleicht gemeinsam eine Lösung finden kann.

 

k.schlueter@derneuekaemmerer.de

Hinweis: Das vollständige Interview mit Bonns Oberbürgermeister Ashok Sridharan lesen Sie in der Ende November erscheinenden Dezember-Ausgabe der Zeitung Der Neue Kämmerer. Hier erfahren Sie unter anderem, wie der damalige Kämmerer des 40.000-Einwohner-Städtchens Königswinter auf die Idee kam, seinen Hut für die OB-Kandidatur in Bonn in den Ring zu werfen und wie er den Wahlkampf erlebt hat.