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10.05.19
Haushalt

Studie: Deutschland versagt beim Wohnungsbau

Zu langsam, zu bürokratisch, zu teuer: Beim Neubau von Wohnraum verfehlt der Bund die selbst gesteckten Ziele, heißt es in einer aktuellen Studie. Explodierende Bodenpreise bremsen den Neubau aus – nicht nur in den Metropolen.

Das Prognos-Institut stellt der Wohnungsbaupolitik in Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus. Laut der am gestrigen Donnerstag vorgestellten Studie „Wer baut Deutschland?“, die das Verbändebündnis Wohnungsbau in Auftrag gegeben hatte, sei der Wohnungsneubau zwischen 2011 und 2017 zwar deutlich gesteigert worden. Dennoch sei man weit davon entfernt, die von der Großen Koalition versprochenen 375.000 neuen Wohnungen pro Jahr zu erreichen. Besonders dramatisch sei die Situation beim sozialen Wohnungsbau. 2017 wurde demnach nur ein Drittel der eigentlich benötigten 80.000 Wohnungen fertiggestellt.

Darüber hinaus kommen die Autoren der Studie zum Ergebnis, dass der Wohnungsneubau ausgerechnet in den Boomstädten nicht schnell genug vorangetrieben werde. Viele Wohnungssuchende seien daher gezwungen, in den Speckgürtel zu ziehen – mit erheblichen Auswirkungen auf die Auslastung von Kita-Einrichtungen und den ÖPNV.

Grundstückspreise explodieren

Dass der Wohnungsneubau vielerorts nur schleppend vorankommt, liegt laut Studie auch an den drastisch gestiegenen Grundstückspreisen. In Städten wie Berlin, Hamburg, Frankfurt oder München sei der Preis für Bauland in den letzten Jahren auf das Doppelte gestiegen. Aber auch kleinere Städte wie Leipzig oder Potsdam seien von teils erheblichen Preissteigerungen betroffenen.

Um die aktuelle Situation zu verbessern, fordern die Experten ein sehr viel stärkeres finanzielles Engagement von Bund wie auch Ländern – insbesondere beim sozialen Wohnungsbau. Kurzfristige Investitionsprogramme nach finanzpolitischer Haushalts- bzw. Kassenlage seien nicht zielführend. 

Kommunen müssen handeln

Aber auch die Kommunen sehen die Studienautoren in der Pflicht. Sie müssten sich viel stärker um die Aktivierung und Ausweisung von Baulandflächen bemühen und Instrumente wie Baugebote einsetzen. Zudem sei mehr Tempo bei den Planungs- und Genehmigungsverfahren nötig. Zusätzliche Mitarbeiter sowie digitale Lösungen können laut Studie dabei helfen.

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de