Studie zum Alltag ehrenamtlicher Kommunalpolitiker in NRW

13.09.17 15:00

Studie: Kommunalpolitiker verzichten auf Vorteile und Kompensationen

Von Melanie Weber

Der Großteil der ehrenamtlichen Kommunalpolitiker in NRW verzichtet auf Vorteile der Freistellungs- und Verdienstausfallregelung sowie auf die Übernahme von Kinderbetreuungskosten, bestätigt eine aktuelle Studie. Enorm ist demnach auch der Zeitaufwand, den Ehrenamtler für ihren Einsatz in der Kommunalpolitik erbringen. Von faulen Politikern könne nicht die Rede sein.

Eine aktuelle Studie der Ruhr-Universität Bochum, die sich mit dem kommunalen Ehrenamt beschäftigt, macht Schluss mit einigen weit verbreiteten Vorurteilen. Anders als oft behauptet machen ehrenamtliche Kommunalpolitiker demnach von Freistellungsregelungen und Verdienstausfallentschädigungen nur wenig Gebrauch. Laut Studie nutzen insgesamt gesehen weniger als die Hälfte (46,3%) der erwerbstätigen Mandatsträger Freistellungsregelungen. Dabei liegt der Anteil der Nutzer in den Kreisen (57,8%) deutlich über dem Anteil in den Städten (42,6%). Von der Verdienstausfallregelung wird ebenso wenig Gebrauch gemacht: Lediglich 15 Prozent der Ratsmitglieder beanspruchen eine Entschädigung. In den Kreisen beträgt die Nutzerzahl rund 22,1 Prozent. Eine Ersetzung der Kinderbetreuungskosten wird sowohl von Ratsmitgliedern als auch von Kreistagsabgeordneten gar nicht oder nur sehr selten in Anspruch genommen.

 

Auch zeitlich gesehen investieren ehrenamtliche Kommunalpolitiker mehr als ihnen oft nachgesagt wird. Für NRW zeigt sich, dass der mittlere Zeitaufwand in den Städten 32,5 Stunden im Monat beträgt. In den Kreisen ist der mittlere Zeitaufwand mit 29,7 Stunden etwas niedriger und damit ungefähr auf dem Niveau der mittelgroßen Städte. Insbesondere in den einwohnerstärksten Städten Nordrhein-Westfalens ist der Zeitaufwand mit 45,1 Stunden im Durchschnitt deutlich höher als in den übrigen Städten mit geringerer Einwohnerzahl, so die Studie. Den Großteil der Zeit verwenden die Kommunalpolitiker für Ratstreffen, Ausschüsse und Fraktionssitzungen.

 

Die Studie wurde vom Verwaltungswissenschaftler Jörg Bogumil von der Ruhr-Universität Bochum im Auftrag des Innenministeriums von Nordrhein-Westfalen ausgeführt. Insgesamt 2.200 ehrenamtliche Ratsmitglieder aus NRW wurden zu ihrer beruflichen und privaten Situation befragt.

 

melanie.weber@frankfurt-bm.com