23.11.16
Haushalt

Studie: Wohnsitzauflage für Flüchtlinge fördert Integration nur bedingt

Eine aktuelle Studie nimmt die Wohnsitzauflage für anerkannte Flüchtlinge unter die Lupe und fordert ein grundlegendes Umdenken der Bundesländer. Sinnvoll sei das Instrument nur unter bestimmten Bedingungen.

Die im August 2016 in Kraft getretene Wohnsitzauflage für anerkannte Flüchtlinge fördert die Integration der Neuankömmlinge nur unter bestimmten Umständen. Entscheidend sei, dass die Flüchtlinge am zugewiesenen Wohnort eine Chance auf dem Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnungsmarkt haben, sagt Jan Schneider, Forscher beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Diese Faktoren würden bei der landesinternen Verteilung auf Landkreise und kreisfreie Städte aber nicht berücksichtigt, kritisiert der Wissenschaftler in einer aktuellen Studie.

 

Er fordert eine Loslösung von der Orientierung an der Einwohnerzahl als Maßstab für die Zuweisung von Flüchtlingen. „Die Länder sollten bei der Erstverteilung von Flüchtlingen auf die Kommunen grundlegend umdenken, um den integrationspolitischen Maßgaben der Neuregelung Rechnung zu tragen: Dabei gilt es, die Strukturbedingungen vor Ort zu beachten und Flüchtlinge solchen Orten zuzuweisen, an denen gute Bedingungen für eine Integration bestehen.“

Flüchtlinge als Chance für den ländlichen Raum

Darüber hinaus empfiehlt die Studie, bei Wohnsitzzuweisungen auch auf individueller Ebene die Passgenauigkeit zu verbessern. So könnten für Familien durchaus auch ländliche Gebiete gute Integrationsperspektiven bieten. Für Alleinstehende und junge Erwachsene wiederum seien wegen der Ausbildungsmöglichkeiten und Jobperspektiven kleine und mittlere Städte geeigneter.

 

Gerade strukturschwache Kommunen oder Gemeinden im ländlichen Raum sollten sich nach Meinung der Studienautoren stärker bemühen, die Integrationsbedingungen vor Ort zu verbessern. „Anerkannte Flüchtlinge werden nur dauerhaft bleiben, wenn sie und ihre Familien vor Ort gute Chancen auf Teilhabe vorfinden“, sagt Schneider. Mit einem Wegzug entgingen den ländlichen Regionen die Chancen, die Flüchtlinge für die Strukturentwicklung bedeuten.

 

Den Städten und Gemeinden legt die Studie eine enge Kooperation der beteiligten Behörden, darunter Jobcenter, Ausländerbehörden und Sozialämter, ans Herz. Unverzichtbar sei zudem eine gute Vernetzung mit Unternehmen, Bildungsträgern und der Zivilgesellschaft.

 

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de