Stadt Bottrop

09.01.20
Personen & Positionen

Bottrops Kämmerer Loeven spricht über seinen Abschied

1971 fing Willi Loeven als Azubi bei der Stadt Bottrop an. Ende März 2020 verabschiedet sich der Kämmerer in den Ruhestand. Im DNK-Interview lässt er seine Arbeit für die Stadt vom Altschuldenabbau bis hin zur Digitalisierung Revue passieren.

Sie arbeiten seit 48 Jahren für die Stadt Bottrop. Können Sie sich nach einer so langen Zeit eigentlich noch an Ihren ersten Arbeitstag erinnern?
Ja, daran kann ich mich sogar noch sehr gut erinnern. Mir hat sehr gut gefallen, dass die Verwaltung sich von Anfang an bemüht hat, uns willkommen zu heißen und uns bestmöglich auf unsere Arbeit vorzubereiten. Ich finde, es ist überaus wichtig, neuen Kollegen von Anfang an einen positiven Eindruck von ihrem Arbeitsplatz zu vermitteln. Das klingt selbstverständlich, wird aber nach meinem Eindruck nicht überall so umgesetzt.

Warum haben Sie sich eigentlich damals für eine Ausbildung in der Stadtverwaltung entschieden? Heutzutage machen viele angehende Azubis ja einen großen Bogen um den öffentlichen Dienst und gehen lieber in die Privatwirtschaft.
Ich habe mich 1971 bewusst für die öffentliche Verwaltung entschieden, ohne allerdings genau zu wissen, was auf mich zukommt. Heute weiß ich, dass die öffentliche Verwaltung – gerade auch auf kommunaler Ebene – wesentlich besser ist als ihr Ruf. Es gibt nur wenige Arbeitgeber, bei denen es eine derartige Vielfalt unterschiedlichster Aufgaben gibt. Da ist eigentlich für jeden etwas dabei. Und anders als oft angenommen wird, sind die Strukturen heute längst nicht mehr so hierarchisch, wie sie das vielleicht in der Vergangenheit mal waren.

Das klingt fast so, als ob sie Ihren Traumjob gefunden hätten. Gab es wirklich nie den Wunsch, beruflich mal etwas ganz anderes zu machen – und sei es auch nur in einer anderen Kommune?
Traumjob klingt etwas pathetisch, eher ein Job, der nie eintönig wurde. Ja, am Anfang meiner beruflichen Laufbahn habe ich immer mal wieder darüber nachgedacht zu wechseln. Aber das hat sich dann auch schnell wieder erledigt. Salopp gesagt, hatte ich auch irgendwann gar nicht mehr die Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Alle fünf bis sechs Jahre wurde mir hier in Bottrop die Verantwortung für einen neuen Arbeitsbereich übertragen. Da gab es so viele neue spannende Herausforderungen. Warum hätte ich mich da umorientieren sollen?

Vielleicht weil es auch nicht immer ein Vergnügen ist, Kämmerer einer hochverschuldeten Stadt zu sein. Ist es nicht deprimierend, immer nur den Mangel zu verwalten, statt gestalten zu können?
Einerseits ist es schon belastend, wenn gute Projekte in einer Stadt mangels finanzieller Ressourcen nicht umgesetzt werden können. Andererseits fördert in gewisser Weise die Verwaltung des Mangels die Kreativität. Ein begrenzter finanzieller Rahmen zwingt die Politik wie auch die Verwaltung, Prioritäten zu setzen. Das kann ungeahnte positive Effekte haben. Ich glaube jedenfalls, dass es uns in Bottrop gut gelungen ist, trotz begrenzter finanzieller Möglichkeiten viel Sinnvolles auf den Weg zu bringen.

Nichtsdestotrotz machen Sie sich seit vielen Jahren als Mitglied im Aktionsbündnis „Für die Würde unserer Städte“ für eine Altschuldenlösung stark – mit Erfolg: Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat kürzlich angekündigt, den Kommunen beim Schuldenabbau helfen zu wollen. Wie optimistisch sind Sie, dass die Kommunen ihre Altschulden bald los sein werden?
So nah am Ziel waren wir jedenfalls noch nie. Aber es gilt noch einige Hürden zu nehmen. Von daher sollten wir Kommunen uns jetzt nicht zurücklehnen, sondern müssen weiter politische Überzeugungsarbeit leisten. Der Schuldenabbau ist eine der wichtigsten und vordringlichsten Aufgaben unserer Generation. Es liegt auf der Hand, dass die betroffenen Städte und Gemeinden diese Mammutaufgabe ohne Unterstützung von Bund und Ländern nicht werden meistern können. Ich sage aber auch ganz klar, dass eine Altschuldenlösung einhergehen muss mit einer auskömmlichen Soziallastenfinanzierung. Ansonsten laufen wir Gefahr, erneut in die Schuldenfalle zu tappen.  

redaktion(*)derneuekaemmerer(.)de

Wir Kommunen sollten uns jetzt nicht zurücklehnen, sondern müssen weiter politische Überzeugungsarbeit leisten.

Willi Loeven

Der Artikel ist nur ein Ausschnitt aus einem längeren Gespräch mit Bottrops langjährigen Kämmerer. Das vollständige Interview Willi Loeven ist in der DNK-Printausgabe 4/2019 erschienen.