Studie zu den Problemen beim Breitbandausbau

10.05.17 16:39

Breitbandausbau: Studie fordert mehr Kompetenzen für Kommunen

Von Melanie Weber

Deutschland kommt bei der flächendeckenden Versorgung mit schnellem Internet nicht vom Fleck. Das belegt eine aktuelle Studie. Die Autoren kritisieren die unzureichende Einbindung der Kommunen und kritisieren die Ausbaupläne des Bundes.

Deutschland hängt im internationalen Vergleich mit dem Glasfaserausbau hinterher. Dies zeigt die Studie „Ausbaustrategien für Breitbandnetze in Europa. Was kann Deutschland vom Ausland lernen?“ der Bertelsmann Stiftung und des Fraunhofer-Instituts für System-und Innovationsforschung (ISI) Karlsruhe.

 

Ursache für das Hinterherhinken Deutschlands sind laut Studie insbesondere unambitionierte nationale Ziele. Die Europäische Union will bis 2020 jeden zweiten Verbraucher mit 100 Mbit pro Sekunde versorgen. Deutschland hat als Ziel lediglich 50 Mbit pro Sekunde ausgegeben. Als Problem sehen die Autoren der Studie, dass dieses vergleichbare bescheidene Ziel auch mit Vectoring erreicht werden kann. Der Anreiz für Netzbetreiber, in Glasfaser zu investieren, ist dadurch geringer.

Breitbandausbau: Kommunen stärker einbinden

Die Studie betont, dass die Kommunen in Ländern wie Estland oder Schweden beim Breitbandausbau eine viel wichtigere Rolle spielen als in Deutschland. Dort kümmern sich kommunale Versorger um den Glasfaseranschluss der Bürger. Dabei wurde der Gedanke einer Daseinsvorsorge, ähnlich wie bei Energie und Wasser, auf die Versorgung mit schnellem Internet übertragen. Die Schweiz habe Runde Tische eingerichtet, an denen unter staatlicher Moderation der Ausbau der Glasfasernetze koordiniert werde. Vielfach werden Glasfasernetze nach dem Open-Access-Network-Ansatz aufgebaut, das heißt das Netz wird in kommunaler Regie aufgebaut und dann von verschiedenen Anbietern gegen Entgelt genutzt.  Die Studie macht sich dafür stark, die rechtlichen Kompetenzen für Kommunen im Bereich des Breitbandausbaus zu stärken.

 

Eine große Chance sehen die Autoren der Studie auch in einer engeren Einbindung von Ländern und Kommunen und im Ausbau der Netze durch städtische Versorgungsbetriebe. „Allein schon die lokale Wirtschaftsförderung müsste daran ein herausragendes Interesse haben: Denn schnelles Internet ist für Firmen und Bürger ein entscheidender Standortfaktor“, sagt Bernd Beckert, Koordinator der Studie beim Fraunhofer ISI.

 

Bei der Versorgung mit Glasfaseranschlüssen belegt Deutschland im OECD-Vergleich Platz 28 von 32.

 

melanie.weber@frankfurt-bm.com