Entscheidung zum Breitband-Ausbau

08.04.16 10:45

Bundesnetzagentur erlaubt Telekom den Vectoring-Ausbau

Von Ariane Mohl

Die Telekom darf ihre alten Kupferkabel mit Vectoring beschleunigen. Das hat die Bundesnetzagentur entschieden. Die Konkurrenten des Bonner Unternehmens warnen vor einer Re-Monopolisierung im hart umkämpften Markt.

Die Bundesnetzagentur hat den Vectoring-II-Antrag der Telekom abgesegnet. Damit steht fest, dass der Bonner Telekommunikationsriese seine alten Kupfernetze ertüchtigen darf, um höhere Datengeschwindigkeiten zu erzielen.

 

Es handelt sich um eine der wichtigsten und zugleich umstrittensten Regulierungsentscheidungen der letzten Jahre. Die Bundesnetzagentur sei zum Schluss gekommen, dass die Internet-Pläne der Telekom geeignet seien, die Breitbandversorgung in Deutschland zu verbessern, begründet Behördenchef Jochen Homann die Entscheidung. 1,42 Millionen Haushalte würden vom Vectoring-Ausbau profitieren und künftig mit sehr viel höheren Geschwindigkeiten auf den Datenautobahnen surfen können.

 

Mit Blick auf die Wettbewerber der Telekom, die seit Monaten Sturm gegen die Pläne des ehemaligen Staatskonzerns laufen, wies Homann darauf hin, dass die Bundesnetzagentur einige ihrer Bedenken berücksichtigt habe. So sehe der überarbeitete Entwurf nun Sanktionen vor, wenn die Telekom ihre Ausbauversprechen nicht einhalte. Außerdem habe man das von der Telekom ursprünglich beantragte exklusive Ausbaurecht für den Nahbereich um die knapp 8.000 Hauptverteiler in Deutschland zugunsten der Konkurrenten eingeschränkt.

Auch die Telekom ist mit dem Vectoring-Beschluss nicht restlos glücklich

In ihren ersten Stellungnahmen kritisieren die Wettbewerber die Entscheidung der Netzagentur dennoch scharf. „Der Investitionswettbewerb in die wichtige Übergangstechnologie Vectoring wird nicht deutschlandweit, aber an ganz zentralen Stellen dem Ex-Monopolisten übergeben“, sagt Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes VATM, in dem viele Telekom-Konkurrenten organisiert sind.

 

Und auch die Telekom selbst reagierte verhalten auf den Beschluss der Regulierungsbehörde. Es sei zwar begrüßenswert, dass sich die Bundesnetzagentur um eine Versachlichung des Streits um den Breitbandausbau bemüht habe, sagte ein Konzernsprecher. Allerdings sei es problematisch, dass die Netzagentur den Wettbewerbern noch mehr Möglichkeiten gegeben habe, selbst Vectoring in den Nahbereichen zu betreiben. Ein vollständiger Ausbau der Nahbereiche könne nur gelingen, wenn ein Ausgleich zwischen wirtschaftlichen und unwirtschaftlichen Gebieten möglich sei.

 

Das letzte Wort hat nun die EU-Kommission, die die Entscheidung der Bundesnetzagentur bis Mitte Mai prüfen muss.