Berlin ist die serviceorientierteste Stadt Deutschlands, hat eine Umfrage ergeben.

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03.03.20
Prozessmanagement & IT

Das sind die deutschen Städte mit den besten Online-Services

Vor allem Bürger können von einer digitalisierten Verwaltung profitieren. Aber welche Stadt ist in dieser Hinsicht Vorreiter – und wer hinkt hinterher? Ein neues Ranking gibt Aufschluss.

Die Digitalisierung bietet Kommunen die Chance, ihre Dienstleistungen für ihre Bürger erheblich zu verbessern. Um herauszufinden, wer zu den Spitzenreitern gehört, hat der Eigentümerverband Haus & Grund gemeinsam mit IW Consult die Leistungen der an den Einwohnern gemessenen 100 größten Städte Deutschlands im Bereich E-Government untersucht.

Das Ergebnis: Die Bundeshauptstadt Berlin ist laut Auswertung Deutschlands servicefreundlichste Stadt und kommt auf 71,6 von 100 Punkten. Knapp dahinter befindet sich Schwerin (70,4). Den letzten Platz auf dem Treppchen sichert sich Augsburg (66,1).

E-Government: Diese Städte haben die Nase vorn

Die Top 10 sind in Bezug auf die Einwohnerzahlen durchaus heterogen. Auf den Top-Platzierungen finden sich auch kleine und mittelgroße Städte wie Worms (5. Platz), Bielefeld (6.), Würzburg (7.) oder Wiesbaden (8.). Komplettiert werden die ersten zehn Plätze durch München (4.), Essen (9.) und Köln (10.).

Die rote Laterne des Rankings hält indes Gera aus Thüringen: Die Stadt kommt nur auf 33,1 von 100 möglichen Punkten, bietet somit den schlechtesten Service. Nur knapp davor landen Villingen-Schwenningen (36 Punkte) und die Stadt Marl (36,7 Punkte), die gerade eine hohe Steuerrückzahlung verkraften muss. 

Für die nun veröffentlichte Studie haben Haus & Grund und IW Consult angeschaut, wie gut die Städte die sieben Bereiche „Wohnen“, „Bauen“, „Bürgerservice“, „Unternehmerservice“, „Mobilität“, „Familie und Freizeit“ sowie „Responsivität“ abdecken. Selbst die Städte aus den Top 10 erreichten meistens lediglich in einigen Bereichen eine hohe Punktzahl, ließen in anderen wiederum Federn. Die besonders servicefreundlichen Städte hätten allerdings digitale Angebote über viele Ämter, Fachbereiche und Dezernate hinweg entwickelt, so die Autoren. Zudem seien die Behördenvorgänge durchgängig digitalisiert.

Servicefreundliche Städte haben digitale Angebote über verschiedene Bereiche hinweg entwickelt.

Kommunen oft nicht durchdigitalisiert

Die Studienautoren sehen noch Entwicklungspotentiale beim Ausbau der digitalen Dienstleistungen ebenso wie bei der digitalen Präsentation vorhandener und künftiger kommunaler Verwaltungsvorgänge. Als Beispiel nennt die Studie Passanträge, für die Bürger oft online einen Termin vereinbaren können, allerdings können sie gleichzeitig nicht die Verwaltungsgebühren begleichen.

Auch die Menüführung der kommunalen Webauftritte ist laut Studie noch verbesserungswürdig. Diese sei häufig weder intuitiv noch übersichtlich, was dazu führen kann, dass Bürger angebotene Dienstleistungen gar nicht oder nur nach intensiver Suche finden können. Zudem sind viele Webauftritte innerhalb einer Stadt nicht einheitlich, was den Bürger zusätzlich verwirren kann.

Erstmal nur hybride Lösungen?

In diesem Zusammenhang weist die Studie auch nochmal darauf hin, dass viele Kommunen nicht nur mehrere Portale mit unterschiedlichen Foki parallel betreiben (beispielsweise ein Bürgerportal, ein Kita-Portal und die digitale KFZ-Zulassung), sondern auch bei Umzügen sind Mehrfachregistrierungen notwendig. So rücke das Ziel des Bürokratieabbaus und der Reduzierung der Komplexität letztlich in weite Ferne, schreiben die Studienautoren.

In fast allen Städten gibt es laut Studie noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten. Auch kleine Schritte können zielführend sein, die Digitalisierung ist schließlich ein steter Prozess. Das gilt für die technischen Möglichkeiten ebenso wie für die rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Studienautoren halten es daher für überlegenswert, auf dem Weg zur vollständigen Digitalisierung der kommunalen Dienstleistungen, hybride Lösungen als Zwischenschritt zu entwickeln. 

Hier werden digitale und analoge Vorgänge verbunden, wodurch bereits erste Kostensenkungen erzielt werden können. Dies sei auch wichtig, um Inklusion, gesellschaftliche Teilhabe und Gemeinwohl für weniger technikaffine Bevölkerungsgruppen zu sichern. Denn noch nicht alle Bürger sind bereit für eine 100-prozentig digitalisierte Verwaltung.

j.eich(*)derneuekaemmerer(.)de

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