Deutsche betrachten Digitalisierungsfortschritt kritisch

18.12.17 08:52

Digitalisierung der Verwaltung: Bürger werden ungeduldig

Von Melanie Weber

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung macht kaum Fortschritte, finden die Bürger – das zeigt eine aktuelle Studie. Nachholbedarf bescheinigt die Bevölkerung der Verwaltung vor allem bei wiederkehrenden Behördengängen und sozialen Leistungen. Zudem empfinden Bürger Online-Behördengänge insgesamt als zu kompliziert.

Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung kommt aus Sicht der Bürger nur zögerlich voran. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „European Digital Government Barometer 2017“ des Marktforschungsunternehmen IPSOS im Auftrag von Sopra Steria, für die 4.000 Personen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Norwegen befragt wurden.

 

Im Ländervergleich schneidet Deutschland am schlechtesten ab: Weniger als jeder zweite Deutsche (42 Prozent) betrachtet demnach das digitale Angebot der öffentlichen Verwaltung als fortschrittlich. In Großbritannien und Frankreich meinen dagegen zwei von drei Bürgern, dass die digitale Transformation in der Verwaltung vorankommt, in Norwegen sogar gut 75 Prozent.

Online-Behördengänge nach wie vor zu kompliziert

Die Wahrnehmung in Deutschland unterscheidet sich allerdings stark bei den einzelnen Verwaltungstätigkeiten. Die größte Entwicklung sehen die Befragten im Bereich der Finanzverwaltung: 60 Prozent beurteilen die digitalen Angebote als fortgeschritten – darunter etwa die Möglichkeit, Steuerklärungen online abzugeben. Großer Nachholbedarf aus Bürgersicht besteht dagegen bei sozialen Leistungen wie Arbeitslosengeld und Wohngeld und der Onlineabwicklung des Bafög-Antrags. Auch bei wiederkehrenden Behördenangelegenheiten, beispielsweise im Einwohnermeldewesen, wünschen sich die Bürger mehr digitale Verwaltungsangebote. Fast jeder Zweite würde gerne beispielsweise Personalausweis oder Reisepass online beantragen.

 

Besonders frustrierend für die Befragten ist zudem der komplizierte Aufbau der Onlineportale. Die Mehrfacheingabe von Daten oder unübersichtliche Internetseiten erschweren den Zugang zu den gewünschten Onlinediensten erheblich. Da ist es wenig überraschend, dass 40 Prozent der Teilnehmer den Gang zur Online-Behörde generell zu kompliziert finden.

 

melanie.weber@frankfurt-bm.com