Bremen: Haushaltsdaten für alle

29.06.18 10:41

Haushalt interaktiv in Bremen: „Marketing für Kämmerer“

Von Sarah Nitsche

Wohin geht das Geld im Stadtstaat und woher kommt es? Diese Fragen sollten Bremer Bürger ab sofort selbst beantworten können – mit dem interaktiven Haushalt. Aus Sicht von Haushaltsdirektor Arne Schneider bietet die neue Plattform aber noch weitere Vorteile.

Als bisher größte Kommune und als erstes Land hat die Freie Hansestadt Bremen einen interaktiven Haushalt eingeführt. Die dazugehörigen Websites sind vor wenigen Tagen live gegangen. Ziel des Projekts war nicht nur, den Bürgern einen detaillierten Überblick zu den Einnahmen und Ausgaben zu vermitteln – vielmehr dient es auch als Schulungsmaßnahme, wie Bremens Haushaltsdirektor Arne Schneider im Gespräch mit dieser Redaktion betont: „Wir wissen von anderen Kommunen, die einen interaktiven Haushalt eingeführt haben, dass auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter intensiv mit den Finanzdaten arbeiten, die gar nicht im Finanzbereich tätig sind.“

 

Für Schneider war der interaktive Haushalt ein Herzensprojekt, das er noch kurz vor seinem Wechsel nach Hamburg abschließen wollte – und das im Fall des Stadtstaates Bremen unter besonderen Vorzeichen stand: „Wir bilden zwei Haushalte ab: Den der Stadtgemeinde Bremen und den des Landes Bremen“, berichtet Schneider. „Das heißt, wir mussten auch Verrechnungen und Erstattungen darstellen.“ Aus seiner Sicht hat der Aufwand sich aber schon jetzt gelohnt. „Der Haushalt ist das Kernstück der lokalen Demokratie. Und da ist es unserer Aufgabe, neue Techniken zu nutzen und die Finanzdaten den Bürgerinnen und Bürgern so verständlich wie möglich zu vermitteln.“

 

Diese können ab sofort die Haushaltsdaten abrufen, aber auch selbst Auswertungen erstellen. Ein Leitfaden soll dabei helfen, sich im System zurecht zu finden. Bei Fragen stehen Mitarbeiter der Bremer Verwaltung zur Verfügung, die sich parallel mit dem Aufbau des „eHaushalts“ (DNK berichtete in Ausgabe 4/2017) des Landes und der Stadtgemeinde Bremen beschäftigen. Anders als der interaktive Haushalt umfasst dieser aber auch das Berichtswesen mit Zugriffsbeschränkungen und ist bislang noch nicht öffentlich zugänglich – wobei sich auch das ändern soll. „Die Öffentlichkeit sollte aber schon heute Zugriff auf interaktive Zahlen haben und nicht erst, wenn wir in zwei oder drei Jahren den eHaushalt freischalten“, betont Schneider. Am Ende sollten die Bürger das Tool genauso nutzen, wie Online-Portale des ÖPNV. Schneider ist überzeugt: „Für den Kämmerer ist der interaktive Haushalt das beste Marketingwerkzeug seit Erfindung des Buchdrucks.“

 

s.nitsche@derneuekaemmerer.de