E-Government-Monitor 2017 vorgestellt

30.10.17 11:47

Immer weniger Deutsche nutzen E-Government-Angebote

Von Ariane Mohl

Zu umständlich, zu unsicher oder gar nicht erst bekannt: Die digitale Verwaltung kommt bei den Bürgern nicht an. Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele Deutsche Angst um ihre persönlichen Daten haben und in der Nutzung von Online-Angeboten keinen Mehrwert erkennen.

Die Zahl der Bürger, die in den vergangenen 12 Monaten E-Government-Angebote genutzt haben, ist verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um vier Prozentpunkte auf 41 Prozent zurückgegangen. Das ist das Ergebnis des E-Government-Monitors 2017, der am vergangenen Freitag im Bundesinnenministerium (BMI) vorgestellt wurde. Wie der Langzeittrend zeigt, kommt Deutschland seit dem Jahr 2012 bei der Nutzung von E-Government-Angeboten nicht voran. Sowohl in Österreich (74 Prozent) als auch in der Schweiz (61 Prozent) sind sehr viel mehr Bürger bereit, Serviceangebote der Verwaltung digital abzurufen.

 

Probleme gibt es laut Studie nicht nur bei der Nutzung, sondern auch bei der Akzeptanz der vorhandenen Online-Angebote. Verglichen mit dem Jahr 2016 ist die Zufriedenheit mit den digitalen Verwaltungsleistungen in Deutschland um 8 Prozentpunkte auf nunmehr nur noch 54 Prozent gesunken. Nach wie vor sind viele Online-Angebote nicht bekannt (48 Prozent). Fast die Hälfte der Nutzer beklagt, dass sie sich zusätzliche Hardware anschaffen müssten, um digitale Verwaltungsleistungen in Anspruch zu nehmen. Für großen Unmut sorgt auch die Tatsache, dass viele Dienstleistungen nicht vollständig online verfügbar sind, sodass unter Umständen doch ein Besuch im Bürgerbüro nötig ist.

E-Government ohne Mehrwert für die Bürger

Bauchschmerzen bereitet vielen Deutschen auch weiterhin die Sicherheit ihrer Daten. Dass immer wieder benötigte persönliche Daten wie das Geburtsdatum oder der Geburtsort nur einmal erfasst und dann bei Bedarf verwaltungsintern weitergegeben werden können („Once-Only-Prinzip“), befürwortet gerade mal ein Drittel der Befragten.     

 

Hannes Schwaderer, Präsident der Initiative D21, kritisierte, dass die Verwaltung bei der Digitalisierung nicht mit privaten Unternehmen Schritt halte. D21 macht sich für die digitale Gesellschaft stark und ist Mitherausgeberin des E-Government-Monitors. Nach Schwaderers Einschätzung sind die Bürger auch deshalb so unzufrieden mit den vorhandenen E-Government-Angeboten, weil es an Anreizsystemen – etwa durch geringere Gebühren – fehle. „Erst wenn für die Bürgerinnen und Bürger ein echter Mehrwert entsteht, werden die Dienste auch akzeptiert. Dann steigt auch die Nutzung.“

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de