28.09.16
Prozessmanagement & IT

Studie: Deutsche bei E-Government-Nutzung zurückhaltend

Verlorene Liebesmüh? Viele Kommunen investieren in digitale Verwaltungslösungen. Doch nur wenige Bürger greifen auf diese Online-Angebote zurück. Das belegt der aktuelle E-Government-Monitor – und sucht nach Gründen.

Nicht einmal jeder zweite deutsche Internetnutzer greift auf E-Government-Angebote zurück. Das ist das Ergebnis des diesjährigen E-Government-Monitors, der von der Initiative D21 e.V. herausgegeben wird. Die Studie nimmt seit 2010 die Nutzung und Akzeptanz der digitalen Verwaltung in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die Lupe. 

 

Ausgerechnet zwei der wichtigsten Vorzeigeprojekte im Bereich digitale Verwaltungsangebote kommen bei den Bürgern nicht gut an. 45 Prozent der Befragten besitzen kein De-Mail-Konto und möchten es auch künftig nicht beantragen, 35 Prozent ist das Angebot gänzlich unbekannt. Die Online-Funktion des neuen Personalausweises nutzen gerade mal vier Prozent der Befragten.

 

Bemerkenswert ist, dass in allen drei untersuchten Ländern die Bedenken der Befragten zu Datensicherheit und Datenschutz enorm nachgelassen haben. Sie erreichen den niedrigsten Stand seit Erhebung. In Deutschland sind sie im Vergleich zu 2014 sogar um etwa die Hälfte gesunken. Angst vor dem „gläsernen Bürger“ galt lange Zeit als eines der wichtigsten Hindernisse bei der Etablierung neuer E-Government-Angebote.

E-Government-Nutzung ist eine Frage der Bildung

Die Studie zeigt auch, dass nahezu gleich viele Männer wie Frauen E-Government-Angebote nutzen. Auch das Alter scheint für die Akzeptanz digitaler Lösungen keine signifikante Rolle zu spielen. Allerdings hängt die Bereitschaft, sich auf digitale Verwaltungsangebote einzulassen, stark vom Bildungsgrad der Bürger ab. Um 31 Prozentpunkte unterscheiden sich die Nutzungsquoten von Hoch- und Niedriggebildeten (hohe Bildung: 72 Prozent, mittlere Bildung: 60 Prozent, niedrige Bildung: 41 Prozent).

 

Der für das Thema zuständige Staatssekretär Klaus Vitt kündigte an, die Online-Angebote der öffentlichen Verwaltung attraktiver und einfacher zugänglich machen zu wollen. „Der Bund plant gemeinsam mit den Ländern und Kommunen, die bestehenden Verwaltungsportale intelligent zu verknüpfen. Dies wollen wir mit digitalen Bürger- und Unternehmenskonten verbinden“, so Vitt.

 

Auch Randolf Stich (SPD), IT-Beauftragter des Landes Rheinland-Pfalz, hatte sich in der vergangenen Woche auf dem 12. Deutschen Kämmerertag in Berlin für eine stärkere Zusammenarbeit aller föderalen Ebenen ausgesprochen. „Wir sollten uns viel stärker als in der Vergangenheit um die standardisierte Bereitstellung von E-Government-Anwendungen bemühen“, sagt der Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Innenministerium.

 

Die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und SPD haben inzwischen einen Antrag in den Bundestag eingebracht, mit dem die Digitalisierung der Verwaltung vorangetrieben werden soll. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, auf allen Verwaltungsebenen "attraktive und serviceorientierte sowie barrierefreie elektronische Bürgerdienste und unternehmensfreundliche Verwaltungsdienstleistungen medienbruchfrei anzubieten", den Rechtsrahmen für e-Government fortlaufend zu evaluieren und fortzuentwickeln und "auf der Basis eines Gesetzes mit allen ihren Behörden Vorreiter für die Bereitstellung offener Daten, sofern dagegen keine Ausnahmetatbestände sprechen, in einheitlichen maschinenlesbaren Formaten und unter freien Lizenzbedingungen zu sein". Auch soll die Regierung laut Vorlage den Kulturwandel hin zu einer digitalen Verwaltung aktiv betreiben.

 

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de