Forscher fordern Paradigmenwechsel beim Thema Daten

11.07.18 10:54

Studie: Kommunen sollen mit Daten Geld verdienen

Von Anne-Kathrin Meves

Kommunen sollten sich Teilhabe an der Datenökonomie sichern. Das fordert eine Forschergruppe verschiedener Fraunhofer Institute in einer aktuellen Studie zu kommunalen Datenräumen. Zur Refinanzierung sollten Kommunen auch Geld mit den Daten verdienen.

Kommunen in Deutschland nutzen ihre Datenbestände noch nicht richtig. Sie würden weder mit Daten anderer Anbieter kombiniert, noch an Dritte weitergegeben. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Urbane Datenräume – Möglichkeiten von Datenaustausch und Zusammenarbeit im urbanen Raum“.

 

Ein Forscherteam aus drei Fraunhofer Instituten hat im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für die Studie das Datenmanagement der Städte Bonn, Dortmund, Emden und Köln untersucht. Dazu hat das Team sowohl mit den Verwaltungen als auch den kommunalen Unternehmen gesprochen.

Paradigmenwechsel in den Kommunen

Die Forschergruppe fordert nichts weniger als einen Paradigmenwechsel in den Kommunen. „Kommunen sollten jetzt aktiv werden, um ihre Teilhabe an der Datenökonomie zu sichern“, sagt Ina Schieferdecker, Leiterin eines beteiligten Fraunhofer Instituts. Denn tatsächlich hätten heute diejenigen die Datenhoheit, die die Dateninfrastruktur kontrollieren und die entsprechenden Zugriffsmöglichkeiten haben. Mit anderen Worten, zentrale US-amerikanische Plattformen.

 

Kommunen verfügten jedoch ebenfalls über eine Menge an oftmals sehr heterogenen Daten, würden diese aber in aller Regel nicht zusammenführen. Stattdessen lagern die Daten verteilt in sogenannten „Datensilos“, heißt es in der Studie. Das bedeutet, sie sind nicht für die externe Nutzung aufbereitet und können damit häufig auch nicht weiterverwendet werden. Außerdem würde zumeist ein systematischer Überblick fehlen. Kurz, „datenbasierte Geschäftsmodelle“ würden nicht ausreichend gefördert.

Neue Geschäftsmodelle für Kommunen

Die Autoren empfehlen den Kommunen daher eindringlich „dezentrale urbane Datenräume nach offenen Standards“ einzurichten. Damit könnten sie eigene kommunale, datenbasierte Dienste und Angebote schaffen. Diese Dienstleistungen sollen dann wiederum den kommunalen Unternehmen, der Verwaltung selbst, der Stadtentwicklung, der Wirtschaft und den Bürgern zur Verfügung stehen. Solche Datenräume würden der Studie zufolge die Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen fördern.

 

Basis für diese regional verankerten und „organisatorisch und regulatorisch tief in die kommunalen Abläufe“ eingebundenen Datenräume sollten sowohl offene als auch kommerzielle Daten sein. Denn Kommunen sollten laut den Studienautoren ihre Möglichkeiten nutzen, Geld mit den Daten zu verdienen. Nur so ließen sich die gemeinsamen Datenräume auch refinanzieren.

 

Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, hatte Kommunen vor wenigen Monaten nahegelegt, ihre Daten nicht länger kostenlos zur Verfügung zu stellen, sondern durch deren Verkauf Geld zu verdienen. „Auch die Städte und Gemeinden müssen sich noch mehr klar machen, dass Daten das Öl des 21. Jahrhunderts sind und sich damit wichtige Einnahmen erzielen lassen“, ist Landsberg überzeugt.

 

akmeves@derneuekaemmerer.de