Kommunen und Digitalisierung

25.06.15 17:49

Umfrage: Verwaltung nicht auf Digital Natives eingestellt

Von Katharina Gail

Die Digitalisierung öffentlicher Verwaltungsstrukturen hinkt den Bedürfnissen der Deutschen hinterher. Mit dem bestehenden Serviceangebot sind insbesondere 18-bis 29-Jährige, die sogenannten „Digital Natives“, nicht zufrieden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage.

Die öffentliche Verwaltung in Deutschland verpasst den Anschluss an die Erwartungen jüngerer Bürger. Zu diesem Ergebnis kommen die Unternehmensberater von Accenture in einer Umfrage zu den digitalen Angeboten deutscher Behörden. Die Umfrage ist international angelegt und in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Market Strategy Group entstanden. Die Umfrage zielte neben Deutschland auf Australien, Frankreich, Großbritannien, Singapur, den Vereinigten Arabischen Emiraten und auf die USA ab. Hierzulande haben 1.000 Teilnehmer auf die Fragen geantwortet.

 

Demnach sind  77 Prozent der Deutschen unzufrieden mit dem digitalen Service hiesiger Behörden. Besonders hoch ist die Unzufriedenheit bei den jüngeren Bürgern: Zwar nutzten 90 Prozent der 18- bis 29-jährigen digitale Verwaltungsangebote, aber nur jeder Zehnte sei mit den Leistungen auch zufrieden. Das Interesse sei indes groß, die digitalen Angebote künftig stärker zu nutzen. Jeder zweite Befragte unter den 18- bis 44-Jährigen hat das in der Umfrage angegeben.

Deutschland hinkt im internationalen Vergleich hinterher

Unter den betrachteten Ländern bildet Deutschland das Schlusslicht, führt der Dienstleister weiter aus. In den Vereinigten Arabischen Emiraten seien als Spitzenreiter unter den betrachteten Ländern zum Beispiel 54 Prozent der Befragten mit dem Serviceangebot der Behörden zufrieden, in Großbritannien immerhin noch 48 Prozent.

 

Auch bei den bereits bestehenden digitalen Angeboten tun sich zwischen Deutschland und den Vergleichsländern Unterschiede auf. Während in Deutschland jeder dritte Befragte schon einmal erlebt hat, dass ein Verwaltungsservice nicht verfügbar war, erging es etwa unter den britischen Befragten nur jedem Zehnten so.  Die Ergebnisse erklärt Accenture damit, dass digitale Verwaltungsangebote hierzulande entweder oft nicht bekannt seien oder überhaupt nicht existierten. In Großbritannien würden digitalen Verwaltungsdienstleistungen hingegen zentral auf einem Web-Portal transparent gemacht. Dies wiederum wäre in Deutschland allerdings schon allein aufgrund der föderalen Strukturen und der vergleichsweise stark ausgeprägten kommunen Selbstverwaltung gar nicht möglich.


k.gail@derneuekaemmerer.de