Leipziger OB Jung: „Schallende Ohrfeige für UBS“

17.10.17 12:57

Derivate-Prozess: Leipziger Wasserwerke gewinnen gegen UBS

Von Ariane Mohl

Im Berufungsprozess um die Derivate-Deals ihres früheren Geschäftsführers haben die Leipziger Wasserwerke erneut einen Sieg gegen die Schweizer Großbank UBS errungen. Oberbürgermeister Burkhard Jung zeigte sich erleichtert – doch noch ist der Prozess nicht vorbei.

Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) haben am gestrigen Montag einen weiteren Prozess gegen die UBS-Bank gewonnen. Die Wirtschaftskammer des Londoner Court of Appeal wies eine Klage des Schweizer Bankhauses zurück.

Derivate: Ausfälle in der Finanzkrise

In der Sache ging es um den Abschluss von komplexen, strukturierten Kreditderivaten (englisch Collateralised Debt Obligations, CDOs), die der damalige Geschäftsführer der KWL, Klaus Heininger, in den Jahren 2006/2007 an sämtlichen Gremien des Unternehmens vorbei abgeschlossen hatte. Die UBS hatte die Papiere verkauft. Als kurz darauf die globale Finanzkrise begann, kam es zu Ausfällen – der Schaden für die UBS belief sich nach eigener Berechnung auf gut eine halbe Milliarde Euro, inklusive Zinsen und Prozesskosten.  

 

Schon in der ersten Instanz war der High Court of Justice zu dem Ergebnis gekommen, dass die UBS keine Zahlungsansprüche gegen das kommunale Unternehmen geltend machen konnte, da sie sich auf betrügerische Absprachen mit den damaligen Beratern der KWL, Value Partners, eingelassen hatte.

Gericht: UBS war an Verstößen gegen die Treuepflicht beteiligt

Auch der Court of Appeal kam nun zum Ergebnis, dass bei den früheren KWL-Beratern ein Interessenkonflikt vorlag. Sie verstießen gegen ihre Treuepflichten gegenüber den Wasserwerken. Die UBS wiederum hätte von diesem Interessenkonflikt gewusst und sich sogar aktiv an den Verstößen beteiligt.

 

Nach Angaben der Stadt Leipzig bestätigte der Court of Appeal auch, dass die UBS gegenüber der KWL auf Schadensersatz wegen fahrlässiger Verwaltung des CDO-Portfolios hafte.

OB Jung: „Schallende Ohrfeige für die UBS“

In einer ersten Reaktion zeigte sich der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) erleichtert. „Das Urteil ist eine weitere schallende Ohrfeige für die UBS. Würde die UBS ihre eigenen moralischen Grundsätze ernst nehmen, müsste sie sich spätestens jetzt zurücknehmen.“

 

Doch danach sieht es aktuell nicht aus. Nach Informationen der Leipziger Volkszeitung will die UBS Berufung beim Supreme Court einlegen.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de