Fazit des Insolvenzverwalters

28.11.14 12:47

Gläubigerversammlung in Gera

Von Tobias Schmidt

Am Mittwoch trafen sich Gläubiger der insolventen Geraer Verkehrsbetriebe mit dem Insolvenzverwalter. Dessen Fazit: Das Verfahren wird sich noch über Jahre hinziehen. Einige unangenehme Fragen blieben bei dem Treffen ungeklärt.

Der Insolvenzverwalter der Geraer Verkehrsbetriebe, Dr. Michael Jaffé (rechts), beim 1. Stadtwerkefinanzforum am Donnerstag in Frankfurt am Main. Neben Jaffé sitzt Alois Strasser von der Ratingagentur Standard & Poor’s. Das Stadtwerkefinanzforum ist eine gemeinsame Veranstaltung von DNK und der Schwesterpublikation FINANCE.

Am Mittwoch trafen sich Gläubiger der insolventen Geraer Verkehrsbetriebe und der Stadtwerkeholding mit dem Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé. Die Versammlung sei ruhig verlaufen, sagte Jaffé am Folgetag beim 1. Stadtwerkefinanzforum in Frankfurt am Main. Es seien "keine Heerscharen" von Gläubigern gekommen.

„Wir haben einen Gläubigerausschuss eingerichtet und die Basis geschaffen, um einen verfahrensrechtlich gesicherten Weg zu gehen" so Jaffé. Wie genau dieser Weg am Ende aussehen werde, könne vermutlich erst im Laufe der kommenden Jahre geklärt werden. Insgesamt werde das Insolvenzverfahren voraussichtlich noch vier bis sechs Jahre dauern.

Bei der Gläubigerversammlung am Mittwoch waren laut Jaffé alle Beschlüsse einstimmig gefasst worden. Bei künftigen Treffen könnte es mit dem Konsens jedoch schwieriger werden, denn bislang sind mögliche Einschnitte auf Gläubigerseite noch kein Thema gewesen. „Wie hoch die Quote für die Gläubiger am Ende sein wird, ist aktuell noch nicht absehbar“, sagte Jaffé.

Zunächst will der Insolvenzverwalter mit dem Verkauf der Immobiliengesellschaft GWB Elstertal Liquidität ins Unternehmen spülen. Für die Veräußerung sei bereits ein Investorenprozess im Gange, es bestehe jedoch keinerlei Zeitdruck. Zur Erinnerung: Noch kurz vor der Insolvenzanmeldung hatte die Stadt Gera versucht, diese durch den Kauf der  Wohnungsbaugesellschaft zu vermeiden. Das Landesverwaltungsamt hatte der Stadt allerdings die hierfür nötige Kreditaufnahme nicht genehmigt (siehe DNK 3/2014, S.1).

"Erhebliche Einschnitte"

Seitens der Teilnehmer beim Stadtwerkefinanzforum wurde die Frage gestellt, was nun eigentlich durch das Insolvenzverfahren am Ende gewonnen sein könne. Schließlich müsse der ÖPNV in Gera ohnehin weiter betrieben werden und der ÖPNV sei nun einmal strukturell ein Verlustgeschäft. Nach einer abgeschlossenen Insolvenz müsse die Stadt daher wieder wie zuvor für die entstehenden Verluste einstehen, das Grundproblem würde durch die Insolvenz nicht gelöst.

Jaffé betonte demgegenüber, dass das Insolvenzverfahren nicht bloß ein formaler Akt sei, sondern es konkrete Maßnahmen hinsichtlich des Tagesgeschäfts nach sich ziehe. „Wir werden keinen alten Wein in neue Schläuche gießen“, so Jaffé. „Wir haben bereits jetzt erhebliche Einschnitte vorgenommen und die Verkehrsbetriebe auf das Kerngeschäft ÖPNV konzentriert.“ Für das kommende Jahr plant Jaffé mit einer deutlichen Reduzierung des Unternehmensverlustes.

t.schmidt@derneuekaemmerer.de