Vielleicht hat sich die ehemalige Haaner Kämmerin mit ihrem Geständnis eine Hauptverhandlung erspart.

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22.10.20
Recht & Steuern

Haan: Ehemalige Kämmerin gesteht Vorteilsnahme

Die ehemalige Kämmerin der Stadt Haan hat ein Geständnis abgelegt. Damit hat sich Dagmar Formella wohl einen Prozess mit Hauptverhandlung wegen des Vorwurfs der Vorteilsnahme erspart. Doch mit einem schnellen Abschluss des Verfahrens ist laut Staatsanwaltschaft Wuppertal nicht unbedingt zu rechnen.

Es gibt wieder Bewegung im Ermittlungsverfahren um die ehemalige Kämmerin der Stadt Haan wegen mutmaßlicher Vorteilsnahme im Amt: Dagmar Formella hat nun ein Geständnis abgelegt, bestätigt der in dem Fall ermittelnde Oberstaatsanwalt Wolf-Tilmann Baumert von der Staatsanwaltschaft Wuppertal. „Soweit ich das bislang beurteilen kann, hat Frau Formella vollumfänglich gestanden“, ergänzt Baumert gegenüber DNK. Ihre Vernehmung sei jetzt abgeschlossen.

Mit dem derzeit als „vollumfänglich“ gewertetem Geständnis hat sich die ehemalige Kämmerin wohl einen Prozess mit Hauptverhandlung erspart. Die Verurteilung könne dann per gerichtlichem Strafbefehl erfolgen, erklärt der Oberstaatsanwalt. „Vorbestraft wäre sie in diesem Fall aber auch“, stellt Baumert klar.

Teilgeständnis vor gut einem Monat

Vor rund einem Monat hatte die Ex-Kämmerin bereits ein Teilgeständnis abgelegt – DNK berichtete. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft Wuppertal bereits seit gut zwei Jahren wegen des Verdachts der Vorteilsnahme im Amt. Hintergrund ist die Auftragsvergabe an einen Sicherheitsdienst, der für die Bewachung einer Flüchtlingsunterkunft zuständig war.

Doch mit einem schnellen Abschluss des Verfahrens ist nicht unbedingt zu rechnen. Im nächsten Schritt müsse laut Baumert überprüft werden, ob die Angaben der ehemaligen Kämmerin auch tatsächlich stimmen. Die beteiligten Anwälte hätten derzeit Akteneinsicht. Neben Formella gibt es noch einen weiteren Mitbeschuldigten, einen ihrer ehemaligen Mitarbeiter, der laut Baumert ebenfalls noch zum Fall gehört werde.  

Schadensberechnung aus Mettmann fehlt noch

Auch gibt es in dem Verfahren noch mindestens eine weitere Unbekannte: Das Rechnungsprüfungsamt des Kreises Mettmann hat noch keine abschließende Schadensberechnung vorgelegt. „Die Frage, wie hoch der Schaden tatsächlich ist, ist natürlich auch für das spätere Strafmaß wichtig“, erklärt Baumert.  

Der Oberstaatsanwalt arbeitet daher derzeit mit zwei Szenarien. Wenn niemand den Äußerungen von Formella „substanziell“ widerspreche und die Schadensberechnung in Kürze vorliege, könne noch mit einem Verfahrensabschluss in diesem Jahr gerechnet werden. Andernfalls würde sich das Verfahren noch deutlich bis ins kommende Jahr hinziehen. 

ak.meves(*)derneuekaemmerer(.)de

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