OLG Düsseldorf lässt Strafverfahren wegen Loveparade-Katastrophe zu

26.04.17 11:10

Loveparade-Katastrophe: Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg werden doch angeklagt

Von Melanie Weber

Die Loveparade-Katastrophe vom Juli 2010, die 21 Menschenleben kostete, wird nun doch juristisch aufgearbeitet. Mit auf der Anklagebank: sechs Mitarbeiter der Stadtverwaltung Duisburg. Das OLG Düsseldorf hält ihre Verurteilung für „hinreichend wahrscheinlich“.

Für sechs Mitarbeiter der Duisburger Stadtverwaltung wird die Loveparade-Katastrophe vom Juli 2010 nun doch ein juristisches Nachspiel haben. Das Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf entschied nun die Zulassung des Strafverfahrens. Neben drei leitenden Mitarbeitern des Bauamtes der Stadt Duisburg sowie drei Mitgliedern des Prüfungsteams werden vier Mitarbeiter des Loveparade-Veranstalters Lovapent mit auf der Anklagebank sitzen. Sie werden sich unter anderem wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung verantworten müssen.

 

Nicht verantworten muss sich der ehemalige Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU). Er hatte sich seinerzeit hartnäckig geweigert, Verantwortung für die Katastrophe zu übernehmen, und wurde 2012 abgewählt.

Loveparade-Katastrophe: Duisburgs OB Link begrüßt Strafverfahren

Bei der Loveparade in Duisburg war es an einer Engstelle zu einer Massenpanik gekommen. 21 Menschen starben, mindestens 652 wurden zum Teil schwer verletzt. Im April 2016 hatte das Landgericht Duisburg zum Entsetzen der Angehörigen entschieden, keine Anklage zu erheben. Diesen Beschluss kassierte das OLG Düsseldorf nun jedoch ein. Wie das Gericht der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, hält der zuständige Senat eine Verurteilung der Angeklagten für „hinreichend wahrscheinlich“. „Dass die den Angeschuldigten vorgeworfenen Sorgfaltspflichtverletzungen ursächlich für die Todes- und Verletzungsfolgen waren, dränge sich nach dem Ermittlungsergebnis auf“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. 

 

Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link (SPD) bezeichnete die Entscheidung des OLG in einer persönlichen Erklärung als „wichtigen Schritt“ für die Angehörigen der Betroffenen, Verletzten und Traumatisierten. Sie hätten ein Recht auf Aufarbeitung. „Nur so kann es für sie – aber auch für die Stadt Duisburg – einen Abschluss mit den unfassbaren Geschehnissen geben“, sagte das Stadtoberhaupt.