Befangenheit im Stadtrat von Chemnitz

05.04.17 13:30

Millionen für den FC Chemnitz: Entscheidung des Stadtrats ist ungültig

Von Ariane Mohl

Vor knapp drei Monaten beschloss der Chemnitzer Stadtrat, dem angeschlagenen Fußballclub mit mehr als einer Million Euro unter die Arme zu greifen. Doch jetzt zog die Landesdirektion Sachsen die Notbremse. Einer der Stadtverordneten soll befangen gewesen sein.

Der Chemnitzer Stadtrat muss sich erneut mit der Millionen-Hilfe für den in Schieflage geratenen Fußball-Drittligisten Chemnitzer FC befassen. Wie die Freie Presse berichtet, hat die Landesdirektion Sachsen einen entsprechenden Beschluss des Stadtparlaments vom 16. Dezember 2016 beanstandet. Der Grund: Ein Mitglied des Stadtrats, der Linken-Abgeordnete Dietmar Berger, soll befangen gewesen sein. Berger ist Mitglied im Aufsichtsrat der Volksbank Chemnitz, die dem von der Insolvenz bedrohten Fußballclub laut Freier Presse einen Kredit gewährt haben soll. Damit stehe der Verdacht im Raum, dass Berger für die Millionen-Hilfen gestimmt habe, um die Bank vor einem Zahlungsausfall zu schützen.

Stadtrat Chemnitz entscheidet erneut über Hilfen

Berger bezeichnete den Vorwurf im Gespräch mit der Freien Presse als „unverschämte Unterstellung“. Auch die Stadt Chemnitz hält den Vorwurf für unbegründet. „Um jedoch den bösen Schein zu vermeiden, dass sich kommunale Entscheidungsträger von sachfremden Motiven leiten lassen“, sollen die Millionen-Hilfen für den FC so schnell wie möglich wieder auf die Tagesordnung des Rates gesetzt werden, teilte die Verwaltung mit.

 

Der Chemnitzer Stadtrat hatte Mitte Dezember in einer Sondersitzung die Auszahlung von 1,26 Millionen Euro an den Chemnitzer FC beschlossen, nachdem durch einen Fehler des Clubmanagements ein Finanzloch von fast drei Millionen Euro entstanden war. Der Energieversorger Eins griff dem Fußballclub mit weiteren 1,5 Millionen Euro unter die Arme. 

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de