Regensburger Korruptionsskandal

22.02.17 10:18

Sparkasse Regensburg: Millionenkredit an Tretzel ist marktüblich

Von Anne-Kathrin Meves

Der Verwaltungsrat der Regensburger Sparkasse bewertet den 4,5 Millionen Euro schweren Kredit an den inhaftierten Bauunternehmer Volker Tretzel als „marktüblich“. Die Staatsanwaltschaft hat ihn jedoch in den Haftbefehl sowohl im Fall Tretzel als auch im Fall des suspendierten OB Joachim Wolbergs einbezogen.

Der Verwaltungsrat der Sparkasse Regensburg ist am Dienstag zu dem Ergebnis gekommen, dass der an den Bauunternehmer Volker Tretzel vergebene millionenschwere Kredit zu „marktüblichen und nachvollziehbaren Konditionen“ ausgegeben worden ist.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft Regensburg im Korruptionsskandal rund um den inhaftierten und suspendierten OB Joachim Wolbergs den Kredit in Höhe von 4,5 Millionen Euro an den ebenfalls in Untersuchungshaft sitzenden Bauunternehmer in ihre Ermittlungen einbezogen hat. Zu dem Zeitpunkt der Kreditvergabe im März 2016 war Wolbergs Vorsitzender des Verwaltungsrates. Die Staatsanwaltschaft hegt offenbar den Verdacht, dass der Verwaltungsrat den Kredit 2016 zu Sonderkonditionen vergeben hatte. So soll etwa der Zinssatz nur 0,6 Prozent betragen. Die Brisanz dieses Kredites wird laut Mittelbayerischer Zeitung darin deutlich, dass er sowohl im Fall Wolbergs als auch im Fall Tretzel Bestandteil des Haftbefehls ist.

Am Dienstag war der Verwaltungsrat der Sparkassezu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen. In der Presseerklärung der Sparkasse äußerte sich die Verwaltungsratsvorsitzende, Landrätin Tanja Schweiger: „Der Vorstand hat dem Verwaltungsrat heute glaubhaft versichert, dass es noch nie eine Einflussnahme der beiden Vorsitzenden oder von Mitgliedern des Verwaltungsrats auf Kreditentscheidungen gegeben hat.“ Auch seien alle geltenden Informations- und Berichtspflichten eingehalten worden. Allerdings sind nach Informationen der Zeitung nicht alle Fragen in der Sitzung beantwortet worden. Diese Antworten wolle die Sparkasse den Verwaltungsräten schriftlich nachreichen

anne-kathrin.meves@frankfurt-bm.com