Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge

02.08.16 16:10

Unbegleitete Flüchtlinge: Deutlich mehr Inobhutnahmen durch die Jugendämter

Von Ariane Mohl

Im vergangenen Jahr kamen so viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland wie noch nie. Die Kommunen stöhnen unter der finanziellen Mehrbelastung und fordern eine Absenkung der Betreuungsstandards. Doch das Bundesjugendkuratorium schlägt Alarm.

Im Jahr 2015 haben die Jugendämter in ganz Deutschland so viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) aufgenommen wie nie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) kamen in diesem Zeitraum 42.309 Kinder und Jugendliche ohne Begleitung eines sorgeberechtigten Erwachsenen aus dem Ausland nach Deutschland. Im Vergleich mit dem Jahr 2014 handelt es sich um einen Anstieg um 263 Prozent. 53 Prozent der im Jahr 2015 in Obhut genommenen jungen Geflüchteten haben inzwischen einen Asylantrag gestellt.

 

Insgesamt haben die Jugendämter im vergangenen Jahr 77.645 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen – 62 Prozent mehr als 2014.  

Niedrigere Standards für junge Flüchtlinge?

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) fordert angesichts der damit verbundenen finanziellen Belastungen für die Kommunen eine Absenkung der Standards für die jungen Flüchtlinge. „Es macht überhaupt keinen Sinn, dass für die jungen Flüchtlinge die gleichen Bedingungen gelten sollen wie bei der Jugendhilfe für schwer Erziehbare. Die jungen Migranten brauchen zum Beispiel keinen Sozialarbeiter, der sich rund um die Uhr um sie kümmert, weil sie besonders verhaltensauffällig sind. Junge Flüchtlinge benötigen vor allem Deutschkurse, Schulzugänge und Jobs“, sagt DStGB-Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg. Die Betreuung eines jungen Flüchtlings schlägt pro Monat mit 3.000 bis 5.000 Euro zu Buche, schätzt der Verband. Ein „maßgeschneidertes Handlungskonzept“ könnte helfen, die Ausgaben der Kommunen zu senken, so Landsberg.

 

Das Bundesjugendkuratorium (BJK), ein von der Bundesregierung eingesetztes Sachverständigengremium, wiederum warnt vor niedrigeren Standards für junge Flüchtlinge. Diese Forderung sei weder mit der UN-Kinderrechtskonvention noch dem Genfer Flüchtlingsabkommen sowie den geltenden Regelungen des Kinder- und Jugendhilferechts vereinbar. Nötig sei eine sachliche Debatte über die Bedürfnisse junger Geflüchteter, „die ausschließlich von den Maßstäben der Erforderlichkeit und Geeignetheit gesteuert wird“, heißt es in einer aktuellen Stellungnahme des Gremiums.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de