Eine Studie betrachtet den geringen Frauenanteil bei der Leitung öffentlicher Unternehmen. Gerade die sollten Vorbild für Gleichstellung sein.

Mit 20,6 Prozent bleibt der Anteil von Frauen in den Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen weiter hinter dem politischen Ziel einer gleichberechtigten Teilhabe zurück. Nach wie vor sind Frauen in führenden Positionen unterrepräsentiert. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Auflage der Studie „Frauen in Top-Managementorganen öffentlicher Unternehmen“. Die „FIT-Public Management-Studie 2022“, die deutschlandweit Städte miteinander vergleicht, wird vom Lehrstuhl für Public Management und Public Policy der Zeppelin Universität in Friedrichshafen herausgegeben. Autoren sind Professor Ulf Papenfuß, Christian Schmidt und Vivian Dünwald. Als Kooperationspartner treten das Zentrum für Management- und Personalberatung zfm und die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) auf.

Offenbach belegt mit 42,1 Prozent die Spitzenposition

Die Studie fokussiert mit Stand vom April 2022 die jeweils vier größten Städte eines Bundeslands, die Landeshauptstädte und die Stadtstaaten. Zudem bezieht sie die Ebene der Länder und des Bundes in die Betrachtung ein. Was die Zusammensetzung des Top-Managements in öffentlichen Unternehmen betrifft, beruft sie sich auf öffentlich zugängliche Daten wie die Impressen von Webseiten. Insgesamt erfasst sie so rund 2.000 öffentliche Unternehmen.

Die Studie beziffert den Anteil von Frauen im Top-Management öffentlicher Unternehmen durchschnittlich mit 20,6 Prozent. Dabei gibt es frappierende Unterschiede. In den Städten Heidelberg, Ingolstadt, Neunkirchen, Trier und Völklingen ließ sich keine Frau in einer führenden Managementposition feststellen. In Offenbach am Main hingegen liegt der Frauenanteil bei 42,1 Prozent. Damit belegt die hessische Stadt die Spitzenposition, gefolgt von Gera (37,5 Prozent), Magdeburg (36,8 Prozent), Berlin (36,4 Prozent) und Freiburg (34,6 Prozent). In Insgesamt 12 von 69 untersuchten Städten liegt der Frauenanteil bei über 30 Prozent; in 16 Städten bei unter 10 Prozent.

Öffentliche Unternehmen mit Vorbildfunktion

„Öffentlichen Unternehmen wird eine Vorbildfunktion bei der Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen und eine besondere Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft zugeschrieben“, heißt es in der Studie. Insofern sei hier der Nachholbedarf, um Ziele der Gleichstellung zu erreichen, besonders groß. Bei der Neubesetzung von 280 Positionen im führenden Management verzeichnet die Studie einen Frauenanteil von lediglich 32,1 Prozent. Als umgekehrt „einmaliges“ Beispiel für einen außergewöhnlich hohen Frauenanteil weist sie auf die Verkehrsbetriebe der Landeshauptstadt Hannover. Deren dreiköpfiges Top-Management ist rein weiblich besetzt.

Darüber hinaus macht die Untersuchung ein zusätzliches Gender Gap, also besonders ausgeprägte Unterschiede zwischen männlicher und weiblicher Besetzung von Führungspositionen, in bestimmten Branchen aus. Dies betrifft insbesondere technische Bereiche, etwa das Feld der Energie- und Wasserversorgung sowie der Stadtwerke. Hier beträgt der Frauenanteil im Top-Management öffentlicher Unternehmen lediglich 11,4 Prozent. In den Bereichen IT und Digitalisierung ist er noch geringer, nämlich 7,1 Prozent. Demgegenüber liegt er im Gesundheits- und Sozialwesen bei 34,5 Prozent, in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Forschung bei 32,9 Prozent und im Krankenhauswesen bei 25,5 Prozent.

Gleichstellung in der Unternehmenskultur verankern

Um die Rolle von Frauen in führenden Positionen zu stärken, müsse das Thema in der jeweiligen Unternehmenskultur verankert werden, heißt es in der Studie. Dies könne etwa geschehen, indem sich die Mindestbeteiligung von Frauen in einem Public Corporate Governance Kodex niederschlägt. Ebenso ließen sich für obere Managementebenen diesbezügliche Zielgrößen festsetzen. Als weiteres Instrument weist die Studie auf die kommunalen Beteiligungsberichte hin. Um die Sensibilität für das Thema Gleichstellung in öffentlichen Unternehmen zu erhöhen, könne der Frauenanteil als eine Berichtsgröße darin aufgenommen werden. Genauso plädiert die Studie im Zusammenhang mit der Digitalisierung dafür, in Personalinformationssystemen den jeweiligen Frauenanteil abzubilden und so transparent zu machen.

Bei einer virtuellen Diskussionsrunde zur Veröffentlichung der Studienergebnisse in der vergangenen Woche wies zfm-Inhaber Edmund Mastiaux außerdem auf die Notwendigkeit, die politischen Mandatsträger für das Thema zu sensibilisieren, hin. Denn schließlich werde über wichtige Schlüsselpositionen im Stadtkonzern oft von politisch besetzten Gremien entschieden. Zudem müsse sich die jeweilige Stadtspitze – Bürgermeister und Oberbürgermeister – des Themas annehmen. Gleichstellung müsse „Chefsache werden“, so AKDB-Vorstandsmitglied Gudrun Aschenbrenner bei der Diskussionsrunde.

a.erb@derneuekaemmerer.de

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