Bernhard Hartmann, Kämmerer der Stadt Paderborn, hat vor 15 Jahren einen Karriereneustart gewagt. Im ersten Teil des Interviews spricht er über seine Pläne für den Ruhestand sowie die Folgen der Coronapandemie für seine Heimatstadt.

Herr Hartmann, Sie gehen Ende Dezember 2021 nach 15 Jahren als Kämmerer der Stadt Paderborn in den Ruhestand. Worauf werden Sie mit der größten Wehmut zurückblicken?
Auf jeden Fall werde ich meine Kolleginnen und Kollegen sehr vermissen. Aber um Ihre Frage wirklich beantworten zu können, muss ich einige Schritte zurückgehen. Erst seit 2006 bin ich Beigeordneter und Kämmerer in Paderborn, davor war ich in verschiedenen städtischen Gesellschaften tätig, zuletzt als Geschäftsführer der Paderborner Kommunalbetriebe GmbH, einer Holdinggesellschaft, bei der ich auch heute noch Geschäftsführer bin. Als 2002 die Stadtwerke verkauft wurden, habe ich für den nicht mitveräußerten Bereich der Wasserversorgung die Geschäftsführung übernommen. Insgesamt bin ich seit dem 1. Juni dieses Jahres 35 Jahre lang für die Stadt Paderborn im Einsatz. Diese lange Zeit stimmt mich in der Retrospektive schon auch nachdenklich. Eigentlich hatte ich nie die Absicht, in einer öffentlichen Verwaltung zu arbeiten.

Wie sah denn Ihr ursprünglicher Plan aus?
Ich habe mich zu Beginn meines Berufslebens ganz klar in der freien Wirtschaft gesehen und eine Prüfung zum Steuerberater abgelegt. Davor habe ich bei der Bertelsmann AG im Steuerrecht gearbeitet. Doch letztendlich ist meine berufliche Entwicklung ganz anders verlaufen als zunächst gedacht. Paderborn ist meine Heimatstadt. Und als eines Tages mein Amtsvorgänger in den Ruhestand wechselte, wurde ich mehrfach aus der Politik auf eine Bewerbung um die Kämmererstelle hin angesprochen, da mein Interesse an der Kommunalpolitik bekannt war. Mit 52 Jahren bekam ich so die Chance, noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Ich muss zugeben, dass ich die Breite des Tätigkeitsfeldes anfänglich unterschätzt habe. Sämtliche Betätigung empfinde ich als interessant, zumal auch immer das eigene Lebensumfeld mehr oder weniger betroffen ist.

„Ich brauche nicht den schönsten Rasen im Garten“

Und worauf freuen Sie sich am meisten im Ruhestand?
Ich bin nicht der Typ, der den schönsten Rasen im Garten braucht, sondern möchte mich auch weiterhin gesellschaftlich engagieren. Ich habe dem Leben viel zu verdanken und möchte das gerne weitergeben. Am meisten freue ich mich tatsächlich darauf, nicht mehr von einem Terminkalender bestimmt zu werden und den Tag mit anderen Schwerpunkten gestalten zu können. Etwas Bedenken habe ich schon, zukünftige Entwicklungen im Wesentlichen nur noch in der Presse verfolgen zu können.

Ihr Renteneintritt fällt pandemiebedingt in eine unsichere Zeit. Wie wird dennoch ein reibungsloser Amtswechsel gewährleistet?
Das Auswahlverfahren für einen Nachfolger läuft bereits. Ich bin sicher, dass aus der Anzahl Bewerber der Rat eine/n geeignete Nachfolger/in wählen wird. Diese Person wird auf versierte Kolleginnen und Kollegen zurückgreifen können. In all den Jahren habe ich die Arbeit schließlich nicht alleine erledigt, sondern konnte stets auf ein größeres, qualifiziertes Team zurückgreifen.

Gewerbesteuerausfälle kompensieren

Sie haben bereits im vergangenen Sommer davor gewarnt, dass die Coronakrise Paderborn eine zweistellige Millionensumme kosten wird. Wie sieht die Situation aktuell aus?
Die düsteren Prognosen haben sich zum Glück nicht ganz bewahrheitet. Dank der Ausgleichszahlungen und Hilfen von Bund und Land konnten wir die Gewerbesteuerausfälle fast kompensieren. 2020 haben wir 19,7 Millionen Euro für die Gewerbesteuerausfälle erhalten. Wir sind daher noch mit einem blauen Auge davongekommen. Für 2020 mussten wir zwar ein Defizit von 2,2 Millionen Euro verbuchen. Ohne den nach nordrhein-westfälischem Recht zu bildenden Ausgleichsposten im Jahresabschluss für Coronamehraufwendungen hätten wir bei einem Defizit von 6,7 Millionen Euro gelegen. Das ist noch zufriedenstellend, wenn man bedenkt, dass wir für 2020 zunächst mit einem Defizit von 12 Millionen Euro geplant hatten. Doch viele Projekte und Vorhaben konnten wir nicht anpacken. Sie wurden entweder gestoppt oder auf Eis gelegt – wie zum Beispiel ein Neubau für Teile der Verwaltung. Auf der Einnahmeseite konnten wir aufgrund der Zuschüsse eine Punktlandung hinlegen. So haben wir beispielsweise 3 Millionen Euro für den ÖPNV bekommen. Auch die Kitaausfälle wurden teilweise ersetzt. Damit kann ich zufrieden sein.

Wie sieht es mit dem Haushalt für das laufende Jahr aus?
Der Haushalt 2021 wurde erst kurz vor Ostern mit einem Defizit von 13,9 Millionen Euro verabschiedet. Ich habe bislang kaum Hoffnung auf eine Wiederholung der Ausgleichszahlungen, denn die Kommunen stehen bezüglich der Coronaauswirkungen nach der Finanzstatistik insgesamt besser als der Bund da. Die Blicke werden sich jetzt auf die künftige Bundesregierung richten. Ich erhoffe mir wenigstens eine kleine Unterstützung und exakte Ausgleichszahlungen für immer neue kommunale Aufgaben wie zum Beispiel die Ganztagsschulbetreuung. Wir müssen die zusätzlichen Kosten vollständig erstattet bekommen und nicht etwa nur für das Personal. Insgesamt kann ich aber auch hier zusammenfassen: Es hätte noch viel schlimmer kommen können.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

Das hier veröffentlichte Gespräch mit Bernhard Hartmann wurde bereits im Sommer lange vor der Wahl des künftigen Paderborner Kämmerers Markus Tempelmann geführt. In einer leicht gekürzten Fassung ist das Interview zuerst in der aktuellen DNK Ausgabe 3/2021 erschienen. Lesen Sie Morgen im zweiten Teil des Interviews Online über die Zukunftspläne der Stadt Paderborn.

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