Insolvenzverwalter Michael Frege wollte auf der ersten Gläubigerversammlung in Bremen Hoffnung verbreiten. Auch die von der Pleite der Greensill Bank betroffenen Kommunen sollten nicht von einem Totalverlust ausgehen.

Am Dienstag sind die Gläubiger der insolventen Greensill Bank zum ersten Mal vor dem Amtsgericht Bremen zusammen gekommen. Die Gläubigerversammlung fand im Bremer Konzerthaus Die Glocke statt.

Zwar ist das Insolvenzverfahren nicht öffentlich, doch waren Journalisten aufgrund des großen öffentlichen Interesses am Fall der Greensill Bank zugelassen, wie Insolvenzverwalter Michael Frege von der Kanzlei CMS zu Beginn der Gläubigerversammlung erklärte.

Gleiche Rechte für alle Gläubiger

In seinem Bericht über die Lage des Insolvenzverfahrens nährte er zwar die Hoffnung, dass die Gläubiger nicht von einem „Totalverlust“ ausgehen sollten, doch stimmte Frege sie gleichzeitig auf eine lange Verfahrensdauer ein. Sein Plan sei, in ein bis zwei Jahren die 1-Milliarde-Euromarke und in zwei bis fünf Jahren die 2-Milliarden-Euromarke bei der Insolvenzmasse erreichen zu können. Frege hob dabei besonders mit Blick auf die geschädigten Kommunen hervor, dass jeder Gläubiger das gleiche Recht auf Information und Teilhabe habe. Etwaige weitere Ansprüche, wie etwa Haftungsfragen, sollten die Kommunen prüfen und gegebenenfalls separat verfolgen.

In der Glocke versammelt waren rund 100 Gläubiger – darunter auch Vertreter der betroffenen Kommunen. Insgesamt sind im Insolvenzverfahren Forderungen von rund vier Milliarden Euro angemeldet. Etwa 340 Millionen Euro davon entfallen auf Kommunen. Dies stellt laut Frege eine Besonderheit in diesem Verfahren dar, denn die kommunalen Anlagen sind Großteils nicht durch die Einlagensicherung abgedeckt – DNK berichtete.

Greensill Bank soll liquidiert werden

Insgesamt sollten die Gläubiger von einer Verfahrensdauer von fünf bis zehn Jahren ausgehen. Viele Gerichtsprozesse müssten durch die zahlreichen internationalen Verflechtungen der Bank im Ausland geführt werden. Im Rahmen der Versammlung bestätigten die Gläubiger Insolvenzverwalter Frege im Amt und verständigten sich auf die zentrale Strategie des Insolvenzverfahrens. Frege will insbesondere die Ansprüche der Greensill Bank in England, in den USA und in Australien „bestmöglich geltend“ machen und das Vermögen der Bank nach Deutschland zurück holen. Im letzten Schritt soll die Bank liquidiert werden.

Veränderungen gibt es derweil bei der Zusammensetzung des fünfköpfigen Gläubigerausschusses. So gehört unter anderem Rechtsanwalt Rainer Eckert von der Kanzlei Eckert Rechtsanwälte dem Ausschuss nicht länger an. Die Kanzlei vertritt die 17 Kommunen, die sich um die Stadt Monheim zusammengeschlossen hatten, um ihre Interessen gemeinsam juristisch vertreten zu lassen.

Monheims Bürgermeister Daniel Zimmermann hatte vor der Wahl noch eindringlich dafür geworben, einen kommunalen Vertreter im Ausschuss zu belassen, um die Ausgewogenheit des Gremiums zu gewährleisten.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

 

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