Laut dem Verband Deutscher Grundstücksnutzer werden ostdeutsche Eigenheimbesitzer bei der Grundsteuer künftig stärker zur Kasse gebeten. Einigen droht eine Verdreifachung der bisherigen Kosten.

Mit der Umsetzung des Bundesmodells müssen offenbar viele Kommunen ihre Grundsteuer-Hebesätze deutlich senken, wenn sie Grundstückseigentümer künftig nicht stärker belasten wollen. Zu diesem Schluss kommt eine Berechnung der Wirtschafts- und Steuerberatungsgesellschaft Mazars und dem Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN).

Besitzer von Ein- bis Zwei-Familienhäusern würden mit dem Scholz-Modell bei gleichbleibenden Hebesätzen überproportional belastet werden, erklärte VDGN-Präsident Jochen Brückmann bei der Vorstellung der Untersuchung in der vergangenen Woche. Das sei der Fall, obwohl die neue Grundsteuer aufkommensneutral umgesetzt werde.

Grundsteuer könnte fast drei Mal so teuer werden

Die Analyse der Steuerberater konzentriert sich auf die ostdeutschen Bundesländer, in denen die Berechnungsgrundlage für die Grundsteuer bisher auf Werten von 1935 beruhte. Die meisten neuen Länder haben sich für das wertorientierte Scholz-Modell ausgesprochen. Die Hebesätze in den Kommunen variieren zwischen 350 Prozent in einer Brandenburger Kommune und 810 Prozent in Berlin.

Laut den Berechnungen von Mazars könnte die Grundsteuer für ein Einfamilienhaus im Extremfall, etwa im Berliner Stadtteil Kaulsdorf, von bisher rund 350 Euro auf über 1000 Euro steigen. Damit die Grundsteuerschuld sich für die Grundstückseigentümer nicht verteuere, müsste die Kommune ihren Hebesatz in diesem Fall von 810 Prozent auf 280 Prozent senken.

Allerdings waren einige Variablen zum Berechnungszeitpunkt noch unklar, nicht zuletzt, da die erste Hauptfeststellung zur neuen Grundsteuer noch aussteht. Die Steuermesszahl für Wohngrundstücke soll im Scholz-Modell noch korrigiert werden.

VDGN fordert Abschlag bei Steuermesszahlen

Dass die Grundstücksnutzer vor allem im Osten ab 2025 deutlich mehr Grundsteuer zahlen müssen, steht für den VDGN aber fest. Der Verband fordert entsprechende sozialverträgliche Anpassungen von den Bundesländern, die sich bei der Grundsteuernovelle für das Bundesmodell von Olaf Scholz entschieden haben. „Bei der Berechnung der Grundsteuer muss es einen nach den Immobilienwerten gestaffelten Abschlag bei der Steuermesszahl geben“, teilt der Verband mit.

„Zudem muss ein weiteres Auseinanderdriften der auch heute noch ungleichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse zwischen Ost und West vermieden werden“, moniert Verbandschef Brückmann. An die Kommunen appelliert er, nicht mithilfe ihrer Hebesätze die Grundsteuer zu erhöhen, um Mindereinnahmen auszugleichen, die etwa die Coronakrise verursacht habe.

a.jarchau@derneuekaemmerer.de

Info

Für das Bundesmodell haben sich bisher neun Bundesländer ausgesprochen: Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Mehr zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite Grundsteuer.

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