Leere Kassen statt Gestaltungsspielraum

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Zweidrittel aller ehrenamtlicher Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bewerten die finanzielle Lage ihrer Kommune als „schlecht bis sehr schlecht“. Das ist ein zentrales Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Körber-Stiftung über die aktuelle Situation ehrenamtlicher Bürgermeisterinnen und Bürgermeister. Von Oktober 2025 bis Januar 2026 wurden deutschlandweit 1.705 Ehrenamtliche befragt.

Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung aus dem Jahr 2024 ist jetzt laut Umfrageergebnis der Anteil der ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister „regelrecht eingebrochen“, der mit seinen eigenen Gestaltungsspielräumen für größere Vorhaben zufrieden ist. Dieser Wert rutschte von 51 Prozent vor zwei Jahren auf jetzt nur noch 33 Prozent ab.

„Die Ergebnisse sind ein deutliches Warnsignal“, sagt Sven Tetzlaff, Leiter des Bereichs Demokratie und Zusammenhalt der Körber-Stiftung. „Wachsende Bürokratie und sinkende finanzielle Spielräume bedrohen die Stabilität unserer Gemeinden. Zunehmende Polarisierung setzt die Demokratie unter Druck. Das kommunalpolitische Ehrenamt braucht mehr Unterstützung.“

Fehlende Haushaltsmittel als größte Herausforderung

Im Vergleich zu 2024 hat sich die Bewertung der finanziellen Situation noch einmal deutlich verschlechtert. Während vor zwei Jahren 62 Prozent der Umfrageteilnehmer die finanzielle Lage ihrer Kommunen als „schlecht bis sehr schlecht“ bewerteten, stimmten dieser Aussage nun sogar 70 Prozent zu. Dazu passt, dass die große Mehrheit mit 88 Prozent fehlende Haushaltsmittel als die größte Herausforderung der kommenden Jahre ansieht. 2024 stimmten hier bereits 86 Prozent der ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zu.

Die Umfrageergebnisse machen deutlich, dass andere Herausforderungen der Kommunen zunehmend in den Hintergrund treten. So halten aktuell jeweils deutlich weniger ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister als noch vor zwei Jahren die Energiewende (75 statt 89 Prozent), den Fachkräftemangel (52 statt 65 Prozent), die Wohnungsknappheit (39 statt 51 Prozent) und insbesondere die Aufnahme von Geflüchteten (28 Prozent statt 58 Prozent) für eine „große oder sehr große“ Herausforderung für die eigene Gemeinde.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Info

Insgesamt hat das Umfrageinstitut Forsa 1.705 ehrenamtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen repräsentativ befragt. Die Erhebung wurde vom 27. Oktober 2025 bis zum 13. Januar 2026 als Online-Befragung durchgeführt. Ihre Ergebnisse stellte die Körber-Stiftung Anfang März gemeinsam mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und rund 100 Amtsträgern aus ganz Deutschland im Rahmen der Veranstaltung „Demokratie Forum Kommunalpolitik“ im Schloss Bellevue vor. 

Anne-Kathrin Meves

Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.