Sozialer Wohnungsbau

Quelle: Thinkstock/ Getty Images/ Terroa

Sozialer Wohnungsbau in Berlin: Nicht nur in der Hauptstadt fehlt bezahlbarer Wohnraum.

Caritas-Studie zum bezahlbaren Wohnen

11.01.18 14:06

Mehrheit der Deutschen fordert mehr sozialen Wohnungsbau

Von Ariane Mohl

Viele Menschen, darunter auch Gutverdiener, haben laut einer aktuellen Caritas-Studie Angst vor steigenden Mieten. Sie erwarten von der Politik, dass mehr für den sozialen Wohnungsbau getan wird. Caritas-Chef Neher sieht die Verantwortung in erster Linie bei den Kommunen.

76 Prozent der Deutschen halten bezahlbares Wohnen für eines der zentralen Themen, um das sich Bund-, Landes- und Kommunalpolitiker kümmern sollten. Das ist das Ergebnis der vom Deutschen Caritasverband in Auftrag gegebenen repräsentativen Studie „Menschenrecht auf Wohnen“. Die Befragung zeigt, dass naturgemäß vor allem Menschen mit einem niedrigen Haushaltseinkommen dem Thema einen hohen Stellenwert einräumen. 83 Prozent der Befragten, die über ein Netto-Haushaltseinkommen bis 1.500 Euro im Monat verfügen, finden das Thema „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig“.

 

Aber: Auch viele Gutverdiener (78 Prozent) mit einem Netto-Monatseinkommen von mehr als 3.000 Euro sind der Ansicht, dass die Bereitstellung bezahlbarer Wohnungen auf der politischen Agenda einen der vordersten Plätze einnehmen sollte. Für Caritas-Präsident Peter Neher ist das ein deutliches Indiz dafür, dass hohe Mietpreise längst auch der Mittelschicht Bauchschmerzen bereiten: „Immer mehr Menschen machen die Erfahrung, dass sie nahezu chancenlos auf dem Wohnungsmarkt sind.“

 

Laut Studie stimmten 79 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass hohe Wohnkosten ein erhebliches Armutsrisiko darstellen. Drei Viertel der Befragten sehen die Entwicklung von Kindern beeinträchtigt und fürchten, dass zu hohe Mieten eine räumliche Trennung von armen und reichen Menschen begünstigen. Mit zunehmendem Alter der Befragten, so ein weiteres Ergebnis der Studie, steigt die Angst vor Armut durch hohe Wohnkosten linear an.

Kommunen sollen sozialen Wohnungsbau fördern

Die Macher der Studie haben auch gefragt, was die Politik tun sollte, um bezahlbares Wohnen sicherzustellen – mit eindeutigem Ergebnis: 84 Prozent der Befragten fordern, dass die Politik den sozialen Wohnungsbau stärker vorantreiben sollte. Jeweils 80 Prozent erwarten eine gezielte Förderung von Wohnungsgenossenschaften beziehungsweise die Bereitstellung preisgünstiger Wohnungen für besonders benachteiligte Menschen.

 

Caritas-Chef Neher sieht hier in erster Linie die Kommunen in der Pflicht: „Sie besitzen mit dem Bauplanungsrecht ein starkes Instrument, mit dem sie bestimmen können, wo, wie und was gebaut wird. Durch die Ausgestaltung der kommunalen Bau- und Liegenschaftspolitik können sie einen wesentlichen Beitrag zu einer sozial ausgerichteten Wohnungspolitik leisten.“

 

Auch über ihre Wohnungsunternehmen hätten die Kommunen eine unmittelbare Steuerungsmöglichkeit, um günstigen Wohnraum zu erhalten und zu schaffen. „Das Ziel kommunaler Wohnungsgesellschaften sollte daher nicht größtmöglicher Gewinn sein, um die kommunalen Haushalte auszugleichen. Das Ziel sollte es sein, günstigen Wohnraum auch für Bevölkerungsgruppen mit geringem Einkommen zu ermöglichen“, betonte Neher.

 

Für die Studie wurden 1.009 Interviews mit der deutschsprachigen Wohnbevölkerung ab 18 Jahren geführt, die in einem Privathaushalt lebt. Die Ergebnisse wurden an die Bevölkerungsstruktur angeglichen (Gewichtung anhand der Merkmale Alter, Geschlecht, Region und Bildung).  

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de