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11.03.19
Haushalt

„Nur die Preise zu erhöhen, bringt nichts“

Für viele Städte sind ihre Parkhäuser ein Zuschussgeschäft. Heiko Städele von Apcoa Parking Deutschland über Zielkonflikte mit den Bürgern, Chancen der Digitalisierung und neue Geschäftsmodelle.

Für viele Kommunen ist die Parkraumbewirtschaftung ein schlechtes Geschäft. Woran liegt das?

Ich habe den Eindruck, dass einige Kommunen das Thema Parken in seiner Komplexität systematisch unterschätzen. Das Thema ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Und für viele Bürger ist es eben auch ein sehr sensibles Thema. Das macht es für die Politik nicht unbedingt leichter.

Inwiefern?

Überspitzt gesagt sind viele Menschen hierzulande der festen Überzeugung, gewissermaßen qua Geburt Anspruch auf lebenslanges Parken zum Nulltarif zu haben. Dieses Phänomen existiert in dieser Form in keinem anderen europäischen Land. Selbst Gutverdiener fahren auf der Suche nach einem kostenlosen Parkplatz stundenlang um den Block, um die zwei Euro für das Parkhaus zu sparen. Nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für Verwaltung oder Kommunalpolitik, hier neue Ansätze zu etablieren.

Zielkonflikte nicht einfach ignorieren

Aber aus Angst vor den Bürgern auf dringend benötigte Einnahmen zu verzichten, kann doch auch nicht die Lösung sein.

Natürlich nicht. Aber jede Kommune, die sich beim Parken neu aufstellen möchte oder muss, sollte sich vorab klarmachen, dass es Zielkonflikte mit den Bürgern geben wird. Es braucht eine klare politische Willensbildung und eine klare politische Fokussierung. Es gibt eine Vielzahl von Kommunen, die der Überzeugung sind, dass die Parkgebühren ein bestimmtes Niveau nicht überschreiten dürfen, weil der Kunde sonst in die günstigere Nachbarkommune ausweicht, oder gleich im Internet bestellt. Das bedeutet im Umkehrschluss dann aber eben auch, dass solche Kommunen Abstriche bei den Investitionen in ihre Parkinfrastruktur machen oder die Parkraumbewirtschaftung als Zuschussgeschäft betreiben müssen. Am Ende bekommt der Kunde das, was er zu zahlen bereit ist. Dadurch erklärt sich der oftmals katastrophale Zustand vieler Parkhäuser.  

Neben den Kommunen tummeln sich ja auch eine Vielzahl von privaten Unternehmen auf dem Markt. Sind diese besser aufgestellt als die Kommunen?

Das kann man so pauschal nicht sagen. Es gibt deutschlandweit einige Kommunen, die beim Thema Parken hervorragende Arbeit leisten. Aachen ist ein gutes Beispiel dafür, wie erfolgreich man auf diesem Feld sein kann, wenn das Ganze professionell angegangen wird. Der städtische Parkhausbetreiber bietet einen hervorragenden Kundenservice und ist Vorreiter bei der Digitalisierung – wichtige Faktoren, um ein vergleichsweise hohes Preisniveau bei den Kunden überhaupt ohne größere Probleme durchsetzen zu können. Dahinter stehen aber letzten Endes eine klare politische Willensbildung und eine städtische Parkraumstrategie. In einer Kommune, in der Politik und Verwaltung aus welchem Grund auch immer zum Ergebnis kommen, dass im Parkhaus nur 50 Cent pro Stunde verlangt werden können, wird auch ein privater Betreiber nicht im großen Stil investieren können. Anders als die Kommune hat ein privater Betreiber immerhin die Möglichkeit, das Vertragsverhältnis zu beenden, wenn sich ein Standort nicht wirtschaftlich betreiben lässt. Die Kommune als Eigentümerin eines defizitären Parkhauses steht da vor deutlich größeren Herausforderungen. 

Herausforderungen, auf die viele Kommunen mit Preiserhöhungen reagieren, um die Einnahmesituation zu verbessern. Ist das aus Ihrer Sicht der richtige Weg?

Nur die Preise zu erhöhen, löst das Problem nicht – erst recht nicht in einem Parkhaus, in das über Jahre hinweg zu wenig investiert wurde. Kommunen, die sich in einer solchen Situation befinden, sollten klären, was ihnen wichtig ist. Patentrezepte gibt es nicht. Im Fall von Kommune A kann es sinnvoll sein, einmalig Geld in die Hand zu nehmen, um ein lange vernachlässigtes Parkhaus aufzuhübschen. Im Fall von Kommune B ist es womöglich sinnvoller, das Parkhaus an einen privaten Betreiber zu verpachten, der vertraglich verpflichtet ist, bestimmte Investitionen vorzunehmen und vielleicht generell mit mehr Know-how oder Manpower an das Thema herangeht. So oder so ist es aber unabdingbar, das Thema Parken grundsätzlicher in den Blick zu nehmen und es als Teil eines übergreifenden Mobilitäts- oder Smart-City-Konzepts zu begreifen. Parken ist dabei nur der Endpunkt.

Parken ganzheitlich betrachten

Wie kann man sich eine solche übergreifende Strategie konkret vorstellen?

Das lässt sich gut am Vorgehen der Stadt Frankfurt am Main illustrieren, die anders als viele andere Kommunen auch das sogenannte straßenbegleitende Parken reglementiert hat. Die Parkgebühren wurden auf ein übliches Marktniveau angehoben. Wer sein Auto auf der Straße abstellt, kommt also nicht unbedingt günstiger weg als jemand, der ein Parkhaus nutzt. Zusätzlich – und das ist das ganz Entscheidende – hat die Stadt die maximale Parkdauer verkürzt. Für den deutschen Sparfuchs lohnt es sich also nicht mehr, stundenlang durch die Stadt zu fahren, um in irgendeiner Lücke möglichst billig parken zu können. Von dieser Herangehensweise profitiert letzten Endes auch die Umwelt: Der Parksuchverkehr wird spürbar reduziert.

Welche Rolle spielt bei all dem die Digitalisierung? Führt diese nicht auf lange Sicht zu Kostenvorteilen?

Zuerst einmal muss man ehrlich zugeben, dass die Parkbranche nicht die innovativste Branche dieses Planeten war und ist. Lange Zeit gab es das Geschäftsmodell „Schranke auf, Schranke zu“. Die Branche hat relativ spät angefangen, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen und hat anfangs den Fehler gemacht, zu stark die eigenen Interessen in den Blick zu nehmen, statt die Interessen des Kunden. Das ist mittlerweile anders. Dank der Digitalisierung ist der Parkvorgang für den Kunden heute sehr viel einfacher geworden. Der Kunde wird selbstständig vom System erkannt, ohne dass ein Ticket am Automaten gezogen werden muss. Die Abrechnung erfolgt automatisch. Wir selbst haben das in bundesweit mehr als 200 Parkhäusern umgesetzt.

Wie sieht es mit den Kundendaten aus, die im Zuge der Digitalisierung gesammelt werden? Entsteht so ein Mehrwert?

Auf jeden Fall. Der Wert von Informationen und Daten wurde von der Branche lange unterschätzt. In der Vergangenheit wussten wir so gut wie nichts über unsere Kunden, das ist heutzutage anders. Wir wissen sehr viel genauer, mit wem wir es zu tun haben und können unsere Kunden – deren Zustimmung vorausgesetzt – gezielt mit Sonderinformationen oder Produkthinweisen versorgen. Das führt dann natürlich zu mehr Umsatz. Insofern schafft die Digitalisierung durchaus Mehrwerte für Eigentümer und Kunden.

Die Digitalisierung schafft durchaus Mehrwerte für Eigentümer und Kunden.

Heiko Städele

Mit der Digitalisierung werden sich auch die Geschäftsmodelle von Kommunen und privaten Parkhausbetreibern ändern müssen. Wie sieht die Zukunft des Parkens aus?

Ich gehe davon aus, dass die Bereitschaft der Kunden, mehr für das Parken zu bezahlen steigen wird, wenn der Service stimmt. Die Betreiber von Parkhäusern werden neue Dienstleistungen entwickeln, etwa indem sie auf ihren Parkflächen induktive Lademöglichkeiten für E-Fahrzeuge schaffen. Generell vermute ich, dass Parkhäuser – Stichwort: autonomes Fahren – maschinenfreundlicher und menschenleerer werden. Im Extremfall steigt der Kunde schon vor dem Parkhaus aus und das selbstfahrende Auto parkt dann selbst ein. Parkhäuser wären dann gewissermaßen reine Lagerhäuser, die aber technisch auf dem allerneuesten Stand sein müssen.

Was doch aber für die Parkhausbetreiber mit erheblichen Investitionen einhergeht, oder?

Durchaus, aber ich gehe davon aus, dass die Preise für digitale Lösungen relativ schnell fallen werden. Es wird standardisierte Lösungen geben. Kommunen wie auch private Parkhausbetreiber werden für sich die Frage beantworten müssen, ob sie Innovatoren oder Imitatoren sein wollen, die erstmal abwarten und schauen, wie marktreif bestimmte Lösungen sind beziehungsweise wie gut oder schlecht die Kunden bestimmte Angebote annehmen. Und sie sollten darüber nachdenken, ob Parkhäuser wirklich auf den teuersten Flächen stehen müssen, die eine Kommune zu bieten hat. Grundsätzlich halte ich es für nicht ausgeschlossen, dass Parken in Zukunft sogar billiger wird – für den Kunden, aber auch für die Kommune oder den privaten Betreiber.

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de