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11.06.19
Prozessmanagement & IT

Digitalisierung: Deutsche trauen Behörden nichts zu

Viele Deutsche sind offenbar skeptisch, wenn es um die Chancen der Digitalisierung geht. Am ehesten trauen sie der Wirtschaft zu, mit den Herausforderungen umzugehen, am wenigsten zuversichtlich blicken sie auf Behörden, zeigt eine aktuelle Studie.

Die Deutschen sind im Vergleich zu anderen Europäern weniger optimistisch wenn es um die Bewertung der Chancen der Digitalisierung geht. Das ist ein Ergebnis des aktuellen Technik Radar von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung.

Der Technik Radar 2019 vergleicht die Befragungsdaten von 2018 mit internationalen Studien zu Einstellungen in verschiedenen europäischen Ländern sowie ausgewählten Ländern außerhalb Europas. Insgesamt gibt es in Europa große Unterschiede bei der Wahrnehmung und Bewertung des digitalen Wandels. „Digitalisierung wird insbesondere dann kritisch erlebt, wenn sie als ein Prozess wahrgenommen wird, dem man sich ausgeliefert fühlt“, sagt Cordula Kropp, wissenschaftliche Projektleiterin und Soziologin vom Zentrum für Interdisziplinäre Risiko- und Innovationsforschung der Universität Stuttgart, das die Ergebnisse der Befragung wissenschaftlich ausgewertet hat. Das bedeutet laut Kropp im Umkehrschluss auch, dass Menschen, die sich in Sachen Digitalisierung als kompetent wahrnehmen und auf die institutionelle Regulierung vertrauen, optimistischer bei der Bewertung der Chancen sind.

Unternehmen wird eher Kompetenz zugetraut als Behörden

Einen positiven Einfluss der Digitalisierung auf die Gesellschaft erwarten der Studie zufolge nur gut die Hälfte der Menschen in Deutschland. Zum Vergleich: In Schweden tun dies 76 Prozent und im europäischen Durchschnitt 64 Prozent. Allerdings sind die Deutschen offenbar vergleichsweise zuversichtlich wenn es um die Auswirkungen auf die Wirtschaft geht. Mit 82 Prozent erwarten etwas mehr Deutsche als Schweden (79 Prozent) positive Effekte durch die Digitalisierung. Im europäischen Mittel sind es mit 75 Prozent sogar weniger als hierzulande. Wenn es um die Lebensqualität geht, erwarten wiederum weniger Deutsche (63 Prozent) als der europäische Durchschnitt (67 Prozent) eine Verbesserung.

Auch die Frage, ob Unternehmen, Behörden oder die EU am ehesten in der Lage sind, sich mit den Folgen der neuesten digitalen Technologien zu befassen, bewerten die Europäer unterschiedlich. 20 Prozent sehen hier bei Unternehmen die größte Kompetenz. Unter den Deutschen wünschen sich sogar 27 Prozent eine Regulierung durch Unternehmen. Bei den nationalen Behörden sind die Deutschen jedoch wieder skeptischer als die Europäer insgesamt. Hier bewerten nur 10 Prozent der befragten Deutschen Behörden als kompetent, während immerhin 16 Prozent der Europäer Behörden als kompetent bezeichnen. Bei der Bewertung der EU stimmen die Deutschen mit den Europäern überein: Aus beiden Gruppen trauen nur 13 Prozent der Befragten der EU zu, sich mit den Folgen der neuesten digitalen Technik zu befassen.


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