In NRW-Kommunen bleiben tausende Stellen unbesetzt

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Die NRW Bank hat die Ergebnisse ihrer aktuellen Umfrage zur Finanzlage und dem Investitionsverhalten der Kommunen in Nordrhein-Westfalen vorgestellt. Mit dem „NRW Bank Fokus Kommunen 2024“ erscheint die Studie zur bereits zweiten Umfrage nach einer ersten Befragung im Jahr 2023.

Für die Befragung hat das Finanzwissenschaftliche Forschungsinstitut an der Universität zu Köln (Fifo) im Auftrag der NRW Bank alle 427 Städte, Gemeinden und Kreise in NRW angeschrieben. 115 Kommunen davon haben sich beteiligt. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 27 Prozent und bedeutet laut Fifo, dass die Ergebnisse als repräsentativ angesehen werden können.

Fachkräftemangel in NRW-Kommunen

Ein Schwerpunktthema der Umfrage in diesem Jahr ist neben der Finanzlage der Umgang mit dem Fachkräftemangel in Kommunen. Dabei bildet laut Studienautoren das „Herzstück“ der Untersuchung eine repräsentative Hochrechnung der Personallücke im kommunalen öffentlichen Dienst in NRW für das Jahr 2030. Auf Grundlage der Befragungsergebnisse schätzt die Hochrechnung dabei die Lücke zwischen dem erwarteten kommunalen Personalbedarf und der erwarteten Deckung dieses Bedarfs.

Für das Jahr 2030 erwarten die Kommunen der Studie zufolge – hochgerechnet auf ganz NRW – einen Personalbedarf, den sie nur zu 86 Prozent gedeckt sehen. Mit anderen Worten bliebe laut der Hochrechnung jede siebte benötigte Stelle (gerechnet in Vollzeitäquivalenten) unbesetzt. In absoluten Zahlen entspreche dies einer Personallücke von rund 37.000 Stellen. Die größten Anteile an dieser Lücke haben demnach die Bereiche Kinder-, Jugend- und Familienhilfe (25,5 Prozent) sowie Innere Verwaltung (22,7 Prozent).

Dabei weisen die Studienautoren darauf hin, dass sich die Maßnahmen der Kommunen, um dem Fachkräftemangel zu begegnen, häufig darauf konzentrierten mehr Personal zu gewinnen, anstatt weniger Personal zu benötigen. Wenn jedoch alle versuchten, sich ein größeres Stück vom schrumpfenden Kuchen zu sichern, sei ein Scheitern vorprogrammiert.

Düstere Finanzsituation trifft auf Investitionsstau

Mit Blick auf die Finanzlage der NRW-Kommunen zeigen die Ergebnisse der Befragung, dass sich die finanzielle Ausgangslage im Vergleich zum vorangegangenen Jahr verschlechtert hat. So wurde der fiktive Haushaltsausgleich von 2022 auf 2023 deutlich häufiger in Anspruch genommen als noch im vorangegangenen Befragungszeitraum, kaum eine der befragten Kommunen konnte ihre Situation des Haushaltsausgleichs verbessern. Ein Abgleiten in unausgeglichene Haushalte war laut Studie jedoch noch nicht zu beobachten. Auch nach der Finanzsituation direkt gefragt ergibt sich ein „negatives, aber noch gemischtes Bild“. 41 Kommunen bewerten ihre Finanzsituation im vergangenen Jahr demnach als sehr gut, gut oder befriedigend während 74 Kommunen sie als ausreichend oder mangelhaft einschätzen.

Weitaus pessimistischer sind die befragten Kommunen mit Blick auf ihre finanzielle Lage in der Zukunft. So erwarten bereits ab 2025 „praktisch alle Kommunen keine befriedigende Situation mehr“, 85 Prozent sogar eine mangelhafte. Als „alarmierend“ werten die Studienautoren in diesem Zusammenhang, dass sich der wahrgenommene Investitionsstau nach Einschätzung der Kommunen weiter verschärfen wird. Hier seien vor allem die Bereiche mit dem größten wahrgenommenen Investitionsstau wie Straßen und Verkehrsinfrastruktur sowie Offene Ganztagsbetreuung an Schulen betroffen. In diesen Bereichen sehen jeweils mehr als 60 Prozent der befragten Kommunen einen „nennenswerten oder sogar gravierenden Investitionsrückstand“.

ak.meves@derneuekaemmerer.de

Anne-Kathrin Meves

Anne-Kathrin Meves ist Redakteurin der Zeitung „Der Neue Kämmerer“. Nach dem Studium der Anglistik, Geschichte und Wirtschaftswissenschaften (M.A.) hat sie ein Volontariat beim Deutschen Fachverlag in Frankfurt am Main absolviert. Danach wechselte sie 2011 als Redakteurin zu Frankfurt Business Media, dem FAZ Fachverlag. Zunächst schrieb sie dort für die Magazine „FINANCE“ und „Der Treasurer“. 2018 wechselte sie in das Redaktionsteam von „Der Neue Kämmerer“.