Nürnberg erweckt das Quelle-Versandhaus zu neuem Leben

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Wo einst Pakete für ganz Deutschland versandt wurden, entsteht heute eines der größten Verwaltungsprojekte Süddeutschlands: das Stadthaus Q auf dem ehemaligen Areal des Quelle-Versandhauses im Nürnberger Westen. Nach mehr als 15 Jahren Leerstand wird der denkmalgeschützte Gebäudekomplex schrittweise zu einem Ort moderner Verwaltung und zu einem sichtbaren Symbol für den strukturellen Wandel, den die Stadt Nürnberg aktiv gestaltet.

Dabei wird das historische Ensemble neu strukturiert: Der vordere, zur Hauptstraße orientierte Gebäudeteil wird künftig als Verwaltungsstandort genutzt, während im hinteren Bereich neue Wohnungen entstehen. So verbindet das Projekt Verwaltung, Wohnen, Nahversorgung und Stadtentwicklung auf einzigartige Weise und schafft ein lebendiges, gemischt genutztes Quartier.

Ab dem Frühjahr 2026 bezieht die Stadtverwaltung als Mieterin rund 42.000 Quadratmeter Fläche im Stadthaus Q. Etwa 1.500 Beschäftigte aus zahlreichen Ämtern werden hier künftig arbeiten – darunter das Jugend- sowie das Sozialamt, das Amt für Migration und Integration sowie zentrale IT- und Servicebereiche. Ergänzt wird das Angebot durch ein städtisches Schulungszentrum, Bürgerservices, Personalvertretungen und den Behindertenrat. Es entsteht ein leistungsfähiges Verwaltungszentrum, das Dienstleistungen bündelt und Bürgernähe stärkt. Die direkte Anbindung an das U-Bahnnetz gewährleistet eine hervorragende Erreichbarkeit für Beschäftigte und Bürgerschaft gleichermaßen.

Ein urbanes Quartier entsteht

Der zwischen 1953 und 1966 nach Plänen von Ernst Neufert errichtete Quelle-Komplex soll umfassend revitalisiert werden. Auf dem rund 10,9 Hektar großen Areal entstehen künftig etwa 170.000 Quadratmeter Nutzfläche. Neben der städtischen Nutzung entwickelt sich ein urbanes Quartier mit Wohnungen, Gewerbe und sozialer Infrastruktur.

Als Hauptmieterin kann die Stadt Nürnberg die planerische Ausgestaltung mitprägen. Im Spannungsfeld von Denkmalschutz und Zukunftsanforderungen entsteht so eine Arbeitswelt, die historische Identität bewahrt und gleichzeitig moderne Standards setzt. Großzügige Lichthöfe, eine barrierefreie Erschließung, eine umfangreiche Fahrradinfrastruktur und ein differenziertes Gestaltungskonzept verbinden Bestand und Innovation.

Im Stadthaus Q wird das Konzept des aktivitätsbasierten Arbeitens konsequent umgesetzt. Klassische, fest zugeordnete Einzelarbeitsplätze weichen flexibel nutzbaren Arbeitsumgebungen. Mitarbeitende wählen ihren Arbeitsplatz entsprechend der jeweiligen Tätigkeit und den individuellen Anforderungen. Zur Orientierung dienen „Heimaten“, die Teamzugehörigkeit und Identität sichern. Ergänzt wird dieses Prinzip durch eine differenzierte Flächenstruktur: Stillarbeitsräume ermöglichen konzentriertes Arbeiten, während „Think Tanks“ und offene Kommunikationszonen den Austausch fördern.

Eine klare funktionale Trennung von Front- und Backoffice bildet die Grundlage für dieses Arbeitsmodell. Die Publikumsbereiche sind räumlich eigenständig organisiert, während interne Arbeitsbereiche bewusst abgeschirmt bleiben. Dies schafft die notwendige Ruhe für konzentrierte Tätigkeiten und erhöht zu gleich die Servicequalität im Bürgerkontakt. Farbkonzepte und zweisprachige Leitsysteme unterstützen Orientierung und Transparenz.

Vollständig digital ausgestatte Arbeitsplätze

Das Stadthaus Q verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der bauliche, soziale und digitale Aspekte integriert. Barrierefreiheit wird sowohl räumlich als auch kommunikativ konsequent umgesetzt. Nachhaltige Baustandards, begrünte Innenhöfe und energieeffiziente Gebäudetechnik leisten einen wichtigen Beitrag zu einem ressourcenschonenden Betrieb.

Die Arbeitsplätze sind vollständig digital ausgestattet: Mobile Endgeräte, flächendeckendes WLAN und hybride Besprechungsräume ermöglichen zeitgemäße, ortsunabhängige Arbeitsformen. Clean-Desk-Prinzipien, ergonomische Möblierung und hochwertige Materialien unterstützen Gesundheit und Wohlbefinden der Beschäftigten. Auch in formelle Begegnungsräume sind integraler Bestandteil des Konzepts. Das Mitarbeiterrestaurant „meet Q eat“ sowie Lounges und Kommunikationszonen fördern Austausch und bereichsübergreifende Zusammenarbeit.

Ein Projekt dieser Größenordnung erfordert nicht nur bauliche, sondern auch organisatorische und kulturelle Veränderungen. Den Transformationsprozess begleitet daher eine eigene Projektstruktur, die Flächenplanung, Nutzungsanforderungen und interne Kommunikation koordiniert. Zentraler Erfolgsfaktor ist die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung der Beschäftigten. In unter schiedlichen Beteiligungsformaten konnten Bedarfe aufgenommen, Bedenken adressiert und Akzeptanz geschaffen werden. Der Umzug in das Stadthaus Q bedeutet für viele Mit arbeitende nicht nur einen Ortswechsel, sondern den Einstieg in eine neue Arbeitskultur.

Ort des Austauschs

Mit täglich erwarteten 2.000 bis 3.000 Besucherinnen und Besuchern wird das Stadthaus Q zu einem zentralen Ort des Austauschs. Die klare Struktur, die gute Erreichbarkeit und die offene Gestaltung unterstützen eine serviceorientierte Verwaltung mit hoher Aufenthaltsqualität. Zugleich entfaltet das Projekt eine erhebliche stadtentwicklungspolitische Wirkung: Auf dem ehemaligen Industrieareal entsteht ein neues urbanes Quartier, das Arbeiten, Wohnen und Versorgung miteinander verbindet. Die Kombination aus Verwaltungsstandort im vorderen Gebäudeteil und Wohnnutzung im rückwärtigen Bereich steht exemplarisch für eine integrierte und nachhaltige Stadtentwicklung. 

Info

Thorsten Brehm ist berufsmäßiger Stadtrat für Finanzen, Personal und IT sowie Stadtkämmerer der Stadt Nürnberg.

Dieser Artikel ist zuerst in der DNK-Printausgabe 1/26 erschienen.