Kommunen unter Druck: Beteiligungen sanieren, Haushalt sichern

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Die finanzielle Lage vieler Kommunen spitzt sich immer weiter zu. Im Jahr 2025 verzeichneten die Gemeinden und Gemeindeverbände in Deutschland ein Defizit von 31,9 Milliarden Euro – so hoch wie nie zuvor seit der Wiedervereinigung. Gleichzeitig schreiben viele öffentliche Unternehmen wie Stadtwerke, Bäder oder Krankenhäuser erhebliche Verluste und belasten die kommunalen Haushalte zusätzlich. Angesichts dieser außergewöhnlichen Entwicklung besteht akuter Handlungsbedarf.

Für Kämmerer bedeutet das: Haushaltskonsolidierung und die Restrukturierung kommunaler Beteiligungen müssen als Gesamtaufgabe im Rahmen der Finanzverantwortung verstanden werden. Nur wenn beide Bereiche eng aufeinander abgestimmt sind, lassen sich finanzielle Spielräume sichern und langfristig stabile Strukturen schaffen.

Ehrliche Bestandsaufnahme

Eine erfolgreiche Haushaltskonsolidierung beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Pauschale Budgetkürzungen reichen dabei nicht aus. Vielmehr müssen Aufgaben, Standards und Prozesse kritisch hinterfragt werden. Dazu gehören die Überprüfung freiwilliger Leistungen, die Optimierung von Personal- und Sachkosten, die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen sowie die Anpassung von Leistungsumfängen öffentlicher Einrichtungen. Auch kommunale Beteiligungen sollten regelmäßig auf ihre Wirtschaftlichkeit überprüft werden.

In Krisensituationen benötigen öffentliche Unternehmen einen strukturierten Sanierungsprozess. Dieser beginnt mit einer Analyse der Krisenursachen sowie der Überprüfung von Strategie und Geschäftsmodell. Darauf aufbauend werden Maßnahmen zur Kostenreduzierung, Erlössteigerung und organisatorischen Weiterentwicklung erarbeitet. Grundlage ist eine integrierte Unternehmensplanung mit einer belastbaren Liquiditätsplanung, um Finanzierungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig gegensteuern zu können.

Transparenter Planungsprozess

Entscheidend ist die Verzahnung beider Ebenen. Die Kommune muss wissen, welche finanziellen Mittel ihre Beteiligungen künftig benötigen und ob diese mit der Haushaltsplanung vereinbar sind. Gleichzeitig benötigen die Unternehmen Planungssicherheit hinsichtlich möglicher Finanzierungsbeiträge ihrer Gesellschafter. Ein transparenter Planungsprozess schafft die Grundlage für belastbare Entscheidungen. Besondere Aufmerksamkeit erfordern privatrechtlich organisierte Beteiligungen. Während Kommunen grundsätzlich insolvenzunfähig sind, gelten für kommunale Unternehmen, die privatrechtlich geführt werden, die gesetzlichen Insolvenzantragspflichten. Reichen die Mittel künftig nicht mehr aus, können Geschäftsführer schnell in die persönliche Haftung geraten. Umso wichtiger ist es, Risiken frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig zu handeln.

Neben den wirtschaftlichen Maßnahmen spielen dabei Kommunikation und Governance eine zentrale Rolle. Politik, Mitarbeiter und weitere Stakeholder müssen frühzeitig eingebunden werden, um Akzeptanz für notwendige Entscheidungen zu schaffen und deren Umsetzung zu erleichtern. Gerade bei kommunalen Unternehmen entscheidet eine abgestimmte Kommunikationsstrategie häufig über den Erfolg des gesamten Restrukturierungsprozesses.

Fazit: Kommunale Haushalte und öffentliche Unternehmen lassen sich wirtschaftlich nicht getrennt voneinander steuern. Frühzeitige und aufeinander abgestimmte Konsolidierungs- und Sanierungsprozesse sind unverzichtbar. Die Situation erfordert entschlossenes Handeln. Nur so lassen sich finanzielle Risiken reduzieren und die kommunale Daseinsvorsorge langfristig sichern.

Autor

Simon Eickmann
PLUTA Management GmbH, München
Gesellschafter
sanierung@pluta.net
www.pluta.net

Deutscher Kämmerertag

Am 28. und 29. September 2026 findet in Berlin der 22. Deutsche Kämmerertag statt. PLUTA ist Mitveranstalter. Das Sanierungsteam ist vor Ort vertreten und steht den Teilnehmern für Fragen und Gespräche zur Verfügung.

Am 29. September um 14:45 Uhr geht es im PLUTA Workshop-Session II mit Prof. Dr. Merdan Seker um das Thema „Konzern Stadt: Beteiligungen sanieren, Haushalt sichern“. Das PLUTA Team freut sich auf eine spannende Diskussion.