Anleihe der Stadt Bochum

25.05.16 17:16

Stadt Bochum legt erste eigene Anleihe auf

Von Ariane Mohl

Mit den Erlösen aus der ersten eigenen langfristigen Stadtanleihe will Bochums Kämmerer Manfred Busch kurzfristige Liquiditätskredite ersetzen und den Haushalt der hochverschuldeten Stadt entlasten.

Quelle: picture alliance/prisma

Die Stadt Bochum hat erstmals allein eine Anleihe aufgelegt.

Die Stadt Bochum hat zum ersten Mal eine eigene Stadtanleihe aufgelegt. Anleger bekommen bei einer Laufzeit von zehn Jahren eine Verzinsung von 1 Prozent pro Jahr. „Ein solcher Zinssatz ist ein hervorragendes Ergebnis, das auch die Haushalte zukünftiger Jahre entlastet“, sagt Bochums Kämmerer Manfred Busch.

 

Ursprünglich hatte die Anleihe ein angestrebtes Volumen von 100 Millionen Euro. Aufgrund der guten Nachfrage wurde es auf 115 Millionen Euro erhöht. „Unsere Anleihe ist sogar im Ausland auf Interesse gestoßen. Wir konnten Investoren aus Österreich, Luxemburg und den Niederlanden gewinnen“, sagt Busch. Immerhin knapp 10 Prozent des Anleihevolumens entfallen auf internationale Geldgeber. Bei den restlichen Kapitalgebern handelt es sich um Sparkassen, Banken, Versicherungen und Fonds. „Nicht zuletzt, weil sich immer mehr Banken aus dem Kommunalgeschäft zurückziehen, war es uns wichtig, eine Diversifizierung der Gläubiger zu erreichen. Zusätzlich wollten wir unsere Kreditlinie entlasten“, erläutert Busch. „Beides ist uns mit der Stadtanleihe gelungen.“  

Banken als Vermittler

Die 115 Millionen Euro ersetzen für die Stadt aus heutiger Sicht ungünstige Altkredite. „Wir werden so den Haushalt über die nächsten Jahre deutlich entlasten“, freut sich der Kämmerer. Dass die Stadt Bochum nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten jenseits des klassischen Kommunalkredits sucht, hält er auch angesichts der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) für einen wichtigen und richtigen Schritt. „Der kommunale Bereich ist momentan für Investoren interessanter denn je. Die Bonität der Kommunen steht außer Frage. Anleger müssen sich also keine Gedanken machen, ob ihr Geld sicher ist. Und dann wissen die Investoren natürlich auch die vergleichsweise gute Verzinsung der Anleihe zu schätzen“, erläutert Busch.

 

Die Emission der Anleihe wurde von einem Bankenkonsortium unter Führung von Commerzbank, Deutscher Bank und Helaba arrangiert. „Wir hätten auch selbst Partner für Schuldscheindarlehen suchen können. Aber uns fehlen die notwendigen diversifizierten Kontakte zu potentiellen Geldgebern – und wir haben mit den ersten Kapitalanleihen gute Erfahrungen gemacht. Deshalb war es richtig und wichtig, auch jetzt wieder Banken als Vermittler einzuschalten“, betont der Kämmerer.     

 

Bereits im vergangenen Jahr hat Bochum zusammen mit den Städten Essen, Herne, Remscheid, Solingen und Wuppertal eine kommunale Gemeinschaftsanleihe im Gesamtvolumen von 500 Millionen Euro aufgelegt. Der Bochumer Anteil betrug 125 Millionen Euro, die Laufzeit zehn Jahre und der Nominalzins 1,125 Prozent pro Jahr. „Die Gemeinschaftsanleihe am Markt zu platzieren war damals deutlich aufwendiger als die heutige Emission unserer Stadtanleihe“, sagt Busch. Dennoch habe sich der anfängliche Aufwand gelohnt. Der Kämmerer kann sich gut vorstellen, in Zukunft weitere Stadtanleihen aufzulegen, und würde auch anderen Kommunen einen solchen Schritt empfehlen. „Natürlich ist der Aufwand bei einer Anleihe deutlich höher als bei einem Kommunalkredit. Aber gerade Großstädte sind gut beraten, ihre Finanzierung auf mehrere Beine zu stellen.“  

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de