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Insbesondere in den Großstädten ist bezahlbarer Wohnraum Mangelware.

Städtetag weist Kritik der Immobilienwirtschaft zurück

22.08.18 12:40

Dedy: „Durch Schuldzuweisungen entstehen keine Wohnungen“

Von Ariane Mohl

Nach Ansicht der Immobilienwirtschaft sind die Kommunen mit dafür verantwortlich, dass bezahlbarer Wohnraum fehlt. Der Städtetag widerspricht und verweist auf den Fachkräftemangel sowie das mangelnde Engagement von Bund und Ländern.

Im Rahmen der Diskussion über den Wohnungsmangel weist der Deutsche Städtetag die Kritik der Immobilienwirtschaft an den Kommunen zurück. „Durch Schuldzuweisungen entstehen keine neuen Wohnungen“, sagte Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes, gegenüber DNK.

 

Er wies darauf hin, dass die Städte mit einer Vielzahl von Maßnahmen versuchen, dem Mangel an bezahlbarem Wohnraum entgegenzuwirken. So hätten zahlreiche Kommunen in den vergangenen Jahren boden- und wohnungsbaupolitische Beschlüsse verabschiedet, um das Angebot an Bauland zu verbessern. „Vielerorts werden kommunale Bauflächen bereits nach sozialen und nachhaltigen Kriterien vergeben statt zum Höchstgebot“, betonte Dedy. Die sogenannte Konzeptvergabe gehöre häufig bereits zum Regelverfahren. „Zudem nutzen die Städte das ihnen zur Verfügung stehende rechtliche Instrumentarium über Vorkaufsrechte, Satzungen und Fördermittel, um den Wohnungsbau voranzubringen.“

 

Allerdings müssten die Städte immer wieder feststellen, „dass einige Baugrundstücke mit Planungsrecht nicht bebaut, sondern in Erwartung der steigenden Preisentwicklung zurück gehalten oder mit einer Baugenehmigung versehen weiter veräußert werden.“ Nicht selten seien eingereichte Antragsunterlagen von Bauherren fehlerhaft oder unvollständig. Dadurch würden die Genehmigungsverfahren in die Länge gezogen. „Die Digitalisierung von Bauantrags- und -genehmigungsverfahren wird in Routinefällen durchaus helfen, ist aber kein Allheilmittel“, ist Dedy überzeugt.

Fachkräftemangel bremst Wohnungsbau

Zusätzlich hätten die Städte massiv unter dem Fachkräftemangel zu leiden. Viele Bauaufträge der Kommunen können nach Einschätzung des Städtetages nicht vergeben oder fristgerecht abgearbeitet werden, da Handwerksbetriebe und das Baugewerbe derzeit mehr als ausgelastet seien. Zudem werde es auch für die Kommunen selbst immer schwieriger, genügend qualifizierte Mitarbeiter für die Bauämter und Aufsichtsbehörden zu finden.

 

Ausgebremst wird der Wohnungsbau laut Städtetag auch von Bund und Ländern, die im Rahmen des bundesweiten Bündnisses für bezahlbares Wohnen erarbeitet Maßnahmen auch nach mehr als zwei Jahren zum Großteil noch nicht umgesetzt hätten. „Die Städte sehen daher Handlungsbedarf bei allen am Bauprozess beteiligten Akteuren“, sagte Dedy.

 

Der Zentrale Immobilien-Ausschuss (ZIA), dem mehr als 25 Verbände der Immobilienbranche angehören, hatte Anfang der Woche den Kommunen eine Mitschuld an der Wohnungsmisere gegeben. Mittel für schnelles und günstiges Bauen würden von den Kommunen nicht engagiert abgerufen, zudem sei Bauen unter anderem durch zu hohe Grundstückspreise viel zu teuer geworden. Leidtragende seien in erster Linie einkommensschwache Haushalte sowie junge Familien und Berufseinsteiger. „Aus diesem Grund setzen wir uns für eine lebendigere Grundstückspolitik der Kommunen, effizientere Prozesse und mehr Freiheiten in der Projektentwicklung ein“, so die Forderung der Immobilienbranche.

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de