Bezahlbarer Wohnraum wird zur Mangelware

22.01.18 09:46

In ostdeutschen Städten fehlen tausende Sozialwohnungen

Von Ariane Mohl

In Leipzig, Dresden und Potsdam haben Menschen mit einem schmaleren Geldbeutel es auf dem Wohnungsmarkt zunehmend schwer. Die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen ist vielerorts drastisch zurückgegangen. Eilig aufgelegte Förderprogramme greifen nicht immer.

Auch in einigen ostdeutschen Großstädten wird es für Menschen mit geringen Einkommen immer schwieriger, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Grund: Viele Länder haben das Thema „sozialer Wohnungsbau“ in den vergangenen Jahren stark vernachlässigt. So hat sich die Zahl der Sozialwohnungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den letzten fünf Jahren um zwei Drittel verringert, wie MDR-Recherchen belegen.

 

In Leipzig sind demnach nach Angaben des Amtes für Stadterneuerung von ehemals 5.000 Sozialwohnungen nur noch rund 500 übriggeblieben. Dabei wäre der Bedarf eigentlich da: Mehr als ein Viertel der Leipziger Haushalte hätten laut Stadtverwaltung eigentlich Anspruch auf eine mit öffentlichen Zuschüssen oder Darlehen errichtete Wohnung. Ähnlich düster sieht es in Jena (1.000 Sozialwohnungen) und Chemnitz (74 Sozialwohnungen) aus. Halle und Magdeburg wiederum haben laut MDR keine einzige Sozialwohnung mehr in ihrem Bestand.

Förderprogramme sind kein Allheilmittel

Von einzelnen Ländern aufgelegte Förderprogramme erzielen offenbar nicht immer die erhofften Wirkungen. 140 Millionen Euro hat etwa der Freistaat Sachsen vor einem Jahr zur Verfügung gestellt, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Bis 2020 sollen 3.500 Sozialwohnungen entstehen. Doch der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen spricht von einem „Schnellschuss“, der das Problem nicht lösen werde. Im vergangenen Jahr sei keine einzige Wohnung über diesen Weg finanziert worden.

 

Jahr für Jahr besser angenommen wird nach Angaben des Infrastrukturministeriums hingegen das vom Land Brandenburg bereitgestellte Förderangebot. Pro Jahr stellt das Land 100 Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau bereit. 2015 sind laut Ministerium auf Grundlage des Förderprogramms Bewilligungen für 41 Wohnungen erteilt worden. 2016 waren es bereits 443. Im vergangenen Jahr kamen weitere 500 Bewilligungen für mietpreisgebundene Wohnungen hinzu.   

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de