Frankfurt Kämmerer Uwe Becker befindet sich in Quarantäne. Dem DNK stand er trotzdem für ein Telefonat zur Verfügung.

Privat

25.03.20
Personen & Positionen

Frankfurts Kämmerer berichtet aus seiner Corona-Quarantäne

Frankfurts Kämmerer Uwe Becker befindet sich seit über einer Woche in Quarantäne. Dem DNK erzählt er, wie es ihm geht – und welche gewaltigen Aufgaben auf seine Kämmerei in den kommenden Monaten zukommen.

Herr Becker, Sie befinden sich seit einigen Tagen in coronabedingter Quarantäne. Die wichtigste Frage vorweg: Wie geht es Ihnen?
Vielen Dank für die Nachfrage. Ich habe keinerlei gesundheitliche Einschränkungen oder Symptome, weshalb ich auch nicht getestet werde. Ich befinde mich seit Dienstag vergangener Woche in rein vorsorglicher Quarantäne, die auf das Haus und den eigenen Garten beschränkt ist.

Wie kam es dazu?
Wir hatten ein Treffen der kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU, wo sich unsere Kandidaten für den Parteivorsitz vorgestellt haben. Als stellvertretender Bundesvorsitzender saß ich neben Friedrich Merz, der kurz darauf positiv auf das Virus getestet wurde. 

Kommt Ihre Familie damit zurecht, dass Sie jetzt immer Zuhause sind? Einige Experten warnen ja vor Krisen im Privatleben.
(Lacht). Wir haben jetzt natürlich mehr Zeit für einander, hier sind aber alle putzmunter. Ich bin glücklich verheiratet und habe zwei tolle Kinder, das lässt sich gut aushalten.

Kämmerer Becker: „Ich telefoniere viel“

Wie können Sie Ihrer Arbeit als Kämmerer nachgehen?
Mein Alltag ist genauso unterschiedlich wie sonst auch, muss aber meiner Quarantäne ein Stück weit Rechnung tragen. Ich hatte beispielsweise eine Videokonferenz mit unserem Versorger Mainova, dessen Finanz- und Prüfungsausschuss ich vorsitze. Ich telefoniere im normalen Alltag auch viel, der Rest läuft jetzt über Mailverkehr. Ich habe eine hohe Affinität zu neuen Medien, weshalb ich schnell reingekommen bin in mein neues Arbeitsleben.

Am morgigen Donnerstag soll der Doppelhaushalt der Stadt Frankfurt am Main beschlossen werden. Wie funktioniert das in Ihrer Situation?
Nach einer nochmaligen Betrachtung meines Begegnungszeitpunktes mit Herrn Merz läuft meine Quarantänezeit pünktlich vor Verabschiedung des Haushaltes ab, sodass ich doch an der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung teilnehmen kann. Die Sitzung selbst wird allerdings in quantitativ minimaler Besetzung von Parlament und Stadtregierung stattfinden. Wegen Corona werden das laufende und kommende Jahr aber sowieso ganz anders laufen, egal welche Planung man zugrunde legt. Wir müssen im Herbst sicher nachjustieren.

Können Sie einen Einblick geben, wie die Pandemie die Kämmerei trifft?
Die Wirkung des Coronavirus geht durch so viele Bereiche, es gibt quasi keinen Industriezweig, der nicht betroffen ist. Die Wirkungen sind aus meiner Sicht stärker als in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09. Bei uns geht es um Zahlungen an Zuschussempfänger oder Einnahmen, die wegbrechen. Wir müssen daher die kulturelle und soziale Infrastruktur sichern. Museen etwa haben geschlossen, müssen aber weiter das Personal und die Mieten zahlen. Gerade die Institutionen, die Zuschüsse bekommen, haben oft keine Reserven. Ihnen müssen wir jetzt die Zuschüsse auszahlen, auch wenn nicht immer die volle Leistung gegenübersteht.

Wie steht es um die großen städtischen Töchter wie Fraport oder die Messe, die massive Umsatzeinbußen verzeichnen?
Es ist zu sehen, dass das Geschäft dort in erheblichem Maße still liegt. Das wird zu Belastungen führen, die sich über geringere Ausschüttungen oder weniger Steuereinnahmen niederschlagen werden. 

Die Stadt Frankfurt hat Unternehmen schnell angeboten, ihre Gewerbesteuervorauszahlungen zu reduzieren und auf Stundungszinsen zu verzichten, um Liquiditätsengpässe abzufedern.
Ich hatte früh gesagt, dass wir Unternehmen diese Soforthilfen anbieten – und zwar so unbürokratisch wie möglich. Auch Vollstreckungen sind auf Antrag aussetzbar. Wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Wir tun alles, was in der Macht unserer Kommune liegt, um den Menschen und Unternehmen zu helfen. Wir haben leider nicht die Möglichkeit neues Geld zu drucken, müssen unter den gegebenen Spielregeln agieren – und diese an der ein oder anderen Stelle ändern oder weiter interpretieren. Ich möchte an dieser Stelle das Land Hessen loben, dem wir als Stadt in der Vergangenheit oft kritisch gegenüberstanden. Das Land hat eine Entscheidungsgeschwindigkeit gezeigt und nicht abgewartet, was der Bund macht. Das war ein wichtiges Signal an die Kommunen in Hessen.