Der Kreis Anhalt-Bitterfeld ist einem Cyberangriff ausgesetzt. Auch für andere Kommunen besteht das Risiko.

Eine „Gefahr für Leib uns Leben“ bestehe nicht. Darauf hinzuweisen war der Kreisverwaltung Anhalt-Bitterfeld wichtig, als sie am 9. Juli den Katastrophenfall ausrief. Doch der Schaden, den der für diese „Katastrophe“ verantwortliche Cyberangriff verursachte, ist immens. Zeitweise fiel die komplette elektronische Kommunikation der Verwaltung aus, und Abläufe von Fachverfahren sind massiv beeinträchtigt. Der Landkreis musste am 16. Juli bestätigen, „dass abgeflossene Daten aus dem Netzwerk der Kreisverwaltung im Darknet veröffentlicht wurden“. Dies betreffe auch Sitzungsprotokolle aus nichtöffentlichen Sitzungen.

Cyberangriffe als „reale“ Gefahr für Kommunen

Die Kreisverwaltung sei „die erste in Deutschland, die von einem solchen folgenschweren Angriff betroffen ist“, sagt Landrat Andy Grabner. Doch grundsätzlich ist Anhalt-Bitterfeld wohl kein Einzelfall. Es handele sich nicht um den „ersten Vorfall in diese Richtung im kommunalen Umfeld“, sagt der Rechtsexperte Nicolas Sonder im Interview mit der DNK-Schwesterpublikation „OBM-Zeitung“. Sonder ist Partner bei PwC Legal und leitet dort den Bereich „Digitalisierung im öffentlichen Sektor“.

„Die Cybergefahr ist auch für Kommunen real“, warnt Sonder. Hinter den Vorfällen stehe meist „eine ernsthafte Motivation der Angreifer“. Diese sei nicht zu unterschätzen. „Das betrifft im Übrigen nicht nur kommunale Verwaltungen, sondern auch kommunale Beteiligungsgesellschaften.“

IT als „Managementaufgabe“ von Kommunen

Dabei seien Kommunen im Bereich der Datensicherheit im Grunde „nicht so schlecht aufgestellt, wie mancher vielleicht glauben mag“, meint Sonder. Etwa seien Sicherheitsfragen in kommunalen IT-Strategien meist fest verankert.

„Grundsätzlich gilt zunächst einmal, dass eine durchgängige, absolute IT-Sicherheit nur sehr schwer zu erreichen ist“, sagt Sonder. „Gleichwohl können Risiken reduziert werden, indem man mehr in die Organisationsstruktur und in das Knowhow investiert.“ Neben der technischen Seite von IT-Sicherheit seien diese genauso bedeutsam. „IT ist eine Managementaufgabe, und das zeigt sich gleichsam im Bereich der Risikominimierung.“

Das komplette Interview mit Nicolas Sonder über die Digitalisierung und IT-Sicherheit in Kommunen gibt es hier.

a.erb@derneuekaemmerer.de

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