18.01.18
Beteiligungsmanagement

Stadtwerkechefs rechnen mit sinkenden Erträgen

Alte Geschäftsfelder brechen weg, neue kommen nicht richtig voran: Viele kommunale Energieversorger leiden unter den Folgen der Energiewende. Selbst mögliche Lösungsansätze wie die Digitalisierung oder Kooperationen bereiten vielen Stadtwerkechefs Kopfzerbrechen.

Viele Stadtwerke haben nach wie vor keine tragfähigen Antworten auf den Umgang mit der Energiewende gefunden. In allen wichtigen Geschäftsfeldern sehen sich die kommunalen Energieversorger in den nächsten Jahren einem steigenden Wettbewerbsdruck ausgesetzt, der zu sinkenden Renditen führen dürfte. Gleichzeitig kommt die Erschließung neuer Geschäftsfelder nach Einschätzung vieler Stadtwerkechefs nicht schnell genug voran. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie „Stadtwerke 2030“, die die Unternehmensberatung PwC für den Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) erstellt hat. Für die Studie wurden Entscheidungsträger von 109 Stadtwerken zum aktuellen Marktumfeld und ihren Erwartungen befragt. Die DNK-Studie „Stadtwerke – fit für die Zukunft?“ vom Januar 2017 war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

 

Demnach plädieren 54 Prozent der Befragten aufgrund rückläufiger Erträge für einen Ausstieg aus der konventionellen Erzeugung. Immerhin 47 Prozent halten Investitionen in regenerative Erzeugungsanlagen mit Blick auf die zu erwartende Rendite für riskant – zu groß ist die Konkurrenz mit Finanzinvestoren und branchenfremden Marktteilnehmern.

Digitalisierung macht Stadtwerken zu schaffen

Interessant: Die Digitalisierung wird von den befragten Stadtwerkeentscheidern nicht nur als Chance begriffen. Vielmehr geht eine breite Mehrheit davon aus, dass dieser Prozess den Wettbewerb weiter verschärfen wird. Als Bedrohung nehmen sie vor allem private Internetunternehmen (69 Prozent), aber auch Vergleichsportale (45 Prozent) wahr. 36 Prozent der Stadtwerkechefs sehen enorme Risiken für den Vertrieb, da der persönliche Kontakt zum Kunden zunehmend verloren gehe.

 

Eine mögliche Lösung für die Stadtwerke-Krise ist nach Einschätzung der Befragten der gezielte Aufbau von Kooperationen. Allerdings blicken die Geschäftsführer und Vorstände auch auf diesem Feld nicht durchgehend optimistisch in die Zukunft: 44 Prozent der Studienteilnehmer befürchten, dass Tarifverträge sowie das Kommunal- und Vergaberecht die an sich sinnvolle Zusammenarbeit erschweren beziehungsweise sogar unmöglich machen. 35 Prozent der Entscheider haben Sorge, dass Kooperationen zu einem Verlust der Autarkie führen könnten.

 

Generell scheinen viele Stadtwerkechefs einer stärkeren Einbindung ihres Unternehmens in den „Konzern Kommune“ skeptisch bis ablehnend gegenüberzustehen: Nur 45 Prozent der Studienteilnehmer stimmten der Aussage zu, dass strategische Aufgaben der Kommune im Zusammenhang mit der Energiewende im Zentrum der Unternehmensstrategie der Stadtwerke stehen sollten.   

 

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de