Gratis-ÖPNV in der Kritik

08.05.18 13:13

Studie: Kostenloser ÖPNV ist faktisch wirkungslos

Von Sarah Nitsche

Teuer und nicht effektiv: Ein kostenloser ÖPNV würde kaum etwas zum Klimawandel beitragen, befinden Forscher der TU Dortmund. Andere Maßnahmen würden deutlich mehr Erfolg versprechen – aber die sind politisch schwieriger durchzusetzen.

Seit die Bundesregierung die Idee eines Kostenlos-ÖPNV ins Spiel gebracht hat, wird besonders auf kommunaler Ebene hitzig über Pro und Contra des Vorstoßes debattiert. Eine Studie der Technischen Universität (TU) Dortmund gießt nun Wasser auf die Mühlen der Widersacher eines kostenlosen Nahverkehrs: Die Forscher aus dem Bereich Techniksoziologie haben herausgefunden, dass eine Gratisnutzung nicht zu den erwünschten umweltpolitischen Effekten führen würde.

 

Im Zentrum der Untersuchung stand die Frage, inwiefern sich ein kostenloser ÖPNV auf die Emissionen und die Straßenauslastung in einer deutschen Großstadt auswirkt und welchen gesellschaftlichen Nutzen das Modell entfaltet. Dafür haben die Forscher das Verhalten unterschiedlicher Typen von Verkehrsteilnehmern simuliert, die auf Basis verschiedener Faktoren (u.a. Geschwindigkeit, Kosten, Komfort und die aktuelle Verkehrslage) entscheiden, welches Verkehrsmittel sie für einen bestimmten Weg nutzen.

Kostenlos-ÖPNV erhöht Staatsausgaben

Das Fazit des Teams fällt eindeutig aus: „Der kostenlose ÖPNV konnte weder die Emissionen senken noch den Nutzen steigern und stellt somit faktisch eine Verschwendung von Ressourcen dar“, fassen Projektleiter Fabian Ardelt und Versuchsleiter Marlon Philipp zusammen. Eine Reduzierung der ÖPNV-Kosten führe nur zu erhöhten Ausgaben für den Staat – ebenso sei auch ein Ausbau des Radwegenetzes fast wirkungslos, da bereits heute genügend Straßen existierten, die auch von Radfahrern genutzt werden könnten.

 

Andere Maßnahmen versprechen nach Auffassung der Forscher dagegen deutlich mehr Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel: Dazu gehörten etwa zusätzliche Tempolimits oder eine Anhebung der Benzinpreise. Solche Eingriffe seien leichter zu implementieren, würden aber natürlich auch „den Unmut der betroffenen Akteure auf sich ziehen und daher das Durchsetzen der jeweiligen Maßnahme in der Realität für den politischen Akteur“ erschweren, schreiben die Autoren.

 

s.nitsche@derneuekaemmerer.de