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Trotz guter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen ist die Finanzsituation in vielen Kommunen angespannt.

Aktuelle Studie zur Kommunalfinanzierung

22.02.18 12:15

Steigende Zinsen: Viele Kommunen nicht gut vorbereitet

Von Ariane Mohl

Eine Zinswende würde eine Mehrheit der Kommunen unvorbereitet treffen. Das belegt eine aktuelle Befragung von Kämmerern und Finanzentscheidern kommunaler Unternehmen. Viele bezeichnen ihre Finanzlage als angespannt, rechnen aber für das laufende Jahr mit einer spürbaren Verbesserung.

Gerade mal 44 Prozent der Kommunen und kommunalen Unternehmen in Deutschland fühlen sich gut auf einen Anstieg der Zinsen vorbereitet. Das ist das Ergebnis des „Kommunal-Barometers 2018“, einer aktuellen Studie des FinTechs CommneX und der TU Darmstadt, die DNK vor Veröffentlichung vorlag.

 

Die Studie legt nahe, dass eine Mehrheit der Befragten auch deshalb noch keine ausreichenden Vorbereitungen für eine Zinswende getroffen hat, weil 62 Prozent der Studienteilnehmer damit rechnen, dass die Zinsen erst ab dem Jahr 2020 wieder steigen werden.

Angespannte Finanzlage in vielen Kommunen

Darüber hinaus nimmt die Untersuchung auch die aktuelle Finanzsituation der Kommunen und kommunalen Unternehmen in den Blick. Trotz guter Konjunktur und sprudelnder Steuereinnahmen bezeichnen immerhin 46 Prozent der Befragten die Finanzlage ihrer Kommune als sehr angespannt (21 Prozent) oder angespannt (25 Prozent). Weitere 25 Prozent sprechen mit Blick auf die eigene Haushaltslage noch von einer eher angespannten Situation.

 

Immerhin: 44 Prozent der Kommunen und kommunalen Unternehmen gaben auf Nachfrage an, dass Kassenkredite aktuell einen Anteil von nahezu null Prozent an der eigenen Gesamtverschuldung haben. Demgegenüber stehen allerdings 26 Prozent der Befragten, bei denen die Quote der Kassenkredite bei über 50 Prozent liegt.

Rückläufiges Kreditangebot

Ausführlich befasst sich die Studie mit dem Finanzmanagement von Kommunen und kommunalen Unternehmen. Wie bereits die DNK-Kämmererbefragung 2017 kommt auch das „Kommunal-Barometer 2018“ zum Ergebnis, dass sich das Kreditangebot weiter verknappt. 57 Prozent der Befragten haben laut aktueller Studie die Beobachtung gemacht, dass die Resonanz auf entsprechende Anfragen sich „eher verschlechtert“ habe. Weitere 6 Prozent sprechen von einer klar rückläufigen Angebotssituation.

 

Dennoch scheint nur eine kleine Minderheit der Befragten nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten Ausschau zu halten. Gerade mal 18 Prozent der Befragten nutzen Schuldscheine oder Anleihen. Interessant: Bei der Hälfte der Kommunen und kommunalen Unternehmen, die sich auch über den Kapitalmarkt finanzieren, liegt der Anteil von Schuldscheinen und Anleihen am gesamten Finanzierungsportfolio bei gerade mal bis zu 10 Prozent.

 

Insgesamt blicken die Studienteilnehmer optimistisch in die Zukunft. Gut jeder zweite Befragte (53 Prozent) rechnet mit einer Verbesserung der allgemeinen kommunalen Finanzsituation in diesem Jahr. 33 Prozent gehen davon aus, dass weitgehend alles beim alten bleibt. Von einer drohenden Verschlechterung in den nächsten Monaten sprechen lediglich 14 Prozent.

 

Insgesamt 137 Kämmerer und Entscheider aus kommunalen Unternehmen und Finanzinstituten nahmen an der Online-Befragung für das „Kommunal-Barometer 2018“ teil.    

 

a.mohl@derneuekaemmerer.de