Quelle: J. Tetzke, Universität Rostock

Alexandre Makaronidis in Rostock zum EPSAS-Projekt: "Wir müssen pragmatisch sein."

 

Debatte um EPSAS-Harmonisierung

21.03.18 15:58

EPSAS in der Diskussion: Idealtypisch vs. pragmatisch?

Von Sarah Nitsche

Zu wenig Transparenz, vorschnelles Handeln, falsche Zielrichtung: Die EU-Kommission muss sich einige Vorwürfe im Zusammenhang mit dem EPSAS-Projekt anhören. Viele der Kritikpunkte wurden nun auf einer Konferenz diskutiert. Dabei stand allerdings weniger der Sinn der EPSAS zur Debatte, sondern vielmehr die IPSAS als deren inhaltliche Basis.

Wo steht Europa bei der Harmonisierung der Rechnungslegungsstandards – und wie entwickelt sich das EPSAS-Projekt weiter? Peter Christoph Lorson hat da eine Vision, die nicht nur Lesern der Geschichten um die Gallier Asterix und Obelix bekannt vorkommen dürfte: „Nächtens, wenn ich wachliege, träumt mir folgendes: Alle EU-Länder haben die Rechnungslegung harmonisiert. Alle? Nein, ein von unbeugsamen Germanen bevölkertes Land hört nicht auf, Widerstand zu leisten“, übersetzte der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock die bekannte Einleitung der Asterix-Bände für den Auftakt der Veranstaltung „Harmonisierung des öffentlichen Rechnungswesens in Europa“, zu der die Universität Rostock in der vergangenen Woche eingeladen hatte.

 

Denn während die EU-Kommission unter Leitung des EU-Statistikamts Eurostat das EPSAS-Projekt vorantreibt, zeigt sich vor allem Deutschland dem Harmonisierungsprojekt gegenüber ausgesprochen skeptisch – zuletzt hatte der Bundesrechnungshof in einem Sonderbericht im November 2017 harsche Kritik an dem Vorhaben geäußert. In einem gemeinsamen Interview mit dem Institut der Wirtschaftsprüfer (erschienen in der aktuellen DNK-Ausgabe) relativierten Vertreter des Bundesrechnungshofs einige der Aussagen allerdings teilweise.

Makaronidis (EU-Kommission): „Informationsbasis erweitern“

Ein zentraler Angriffspunkt sind die exorbitanten Kosten der Harmonisierung – die Schätzungen allein für die Umstellung in Deutschland variieren zwischen 2 und 4 Milliarden Euro –, und die fehlende Transparenz bei der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen für die Anwender. „Natürlich werden die Kosten signifikant sein“, räumte Alexandre Makaronidis, Leiter der Task Force EPSAS bei der EU-Kommission, in Rostock ein. Allerdings seien viele der Kosten einmalig und kurzfristig. Mit Blick auf den Nutzen der EPSAS verwies er auf Erhebungen von Eurostat, denen zufolge der Nutzen die Kosten deutlich übersteige, sprach sich zugleich aber auch für eine weitergehende Transparenz aus: „Wir müssen die Informationsbasis in Bezug auf die Auswirkungsanalyse erweitern.“

 

Die EU-Kommission werde auch zukünftig Doppik- bzw. IPSAS-Reformen in den Mitgliedsstaaten fördern, kündigte Makaronidis weiter an. Allerdings belaufe sich die finanzielle Unterstützung auf einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag und habe so vor allem „symbolischen Wert“. Der Bundesrechnungshof hatte der EU-Kommission zuvor vorgeworfen, durch die gezielte Unterstützung von Umstellungsprojekten auf nationaler Basis Nägel mit Köpfen zu machen, bevor überhaupt ein schlüssiges Gesamtkonzept für die Harmonisierung vorliege.

 

Über konzeptionelle Grundsatzfragen wurde auch in Rostock diskutiert. Bereits im Jahr 2013 war die EU-Kommission nach einer öffentlichen Konsultation zu dem Ergebnis gekommen, dass die IPSAS (International Public Sector Accounting Standards, die wiederum auf den International Financial Reporting Standards – IFRS – basieren) eine geeignete Basis für die Entwicklung der EPSAS darstellen würden – eine Sichtweise, die bis heute umstritten ist.

Nowak (Hessischer Rechnungshof): „IPSAS von IFRS entkoppeln"

Besonders klar formulierte Karsten Nowak, Direktor beim Hessischen Rechnungshof, die Kritik: „Die IPSAS sind aus unserer Sicht nur dann verwendbar, wenn sie von den kapitalmarktorientierten IFRS entkoppelt werden. Nur dann können sie den Zweck der öffentlichen Rechnungslegung erfüllen“, forderte Nowak, gerichtet an das IPSAS-Board, das in diesem Bereich für die Entwicklung der Standards verantwortlich ist. „Wir haben die EPSAS als Chance für eine Modernisierung gesehen“, betonte Nowak. „Unsere Hoffnung war, dass wir genug Zeit haben, um zu diskutieren, wie die EPSAS ausgestaltet werden sollen. Die schlichte Übernahme der IPSAS ist aber nicht das richtige Mittel, so können wir gar nicht zu einem idealtypischen System kommen.“

 

Bei Thomas Müller-Marqués Berger, Wirtschaftsprüfer bei EY und ehemals Mitglied des IPSAS-Boards, stieß Nowak mit seiner Forderung auf wenig Gegenliebe: „Ich verteidige nicht jede einzelne Regelung der IPSAS. Aber man kann nicht nach fast zwanzig Jahren der Standardisierung behaupten, dass die IPSAS nicht für die öffentliche Rechnungslegung geeignet wären. Wir müssen die Arbeitsergebnisse des Boards fair würdigen.“ Das von Nowak angesprochene Ziel eines idealtypischen Systems sei „schön und gut“, allerdings müsse man auch Praktikabilität und Kosten berücksichtigen. Ähnlich formulierte es auch Alexandre Makaronidis: „Eine Abkehr von den IFRS wird praktisch nicht möglich sein. Natürlich hat jeder eine idealtypische Vorstellung der Rechnungslegung, aber wir müssen auch pragmatisch sein.“

 

s.nitsche@derneuekaemmerer.de