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02.01.19
Haushalt

Große regionale Unterschiede bei den Kitagebühren

Unterschiede von mehreren hundert Euro pro Monat sind bei den Kitagebühren im bundesweiten Vergleich keine Seltenheit, zeigt eine aktuelle Studie des IW Köln. Forderungen nach Gratis-Kitas für alle halten die Forscher trotz der regionalen Ungleichbehandlung nicht für den richtigen Weg.

Je nach Wohnort werden Familien in Deutschland für die Betreuung in der Kita unterschiedlich stark zur Kasse gebeten. Wie eine aktuelle Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) belegt, ist die Spannbreite sehr groß. Während der Kitabesuch in Berlin seit dem vergangenen Sommer generell kostenlos ist, schlägt die Betreuung eines 18 Monate alten Kindes in Duisburg bei Eltern mit einem Bruttojahreseinkommen von 90.000 Euro und einem Betreuungsumfang von 45 Stunden pro Woche demnach mit 630 Euro zu Buche. In Rheinland-Pfalz wiederum können Eltern ihre Kinder ab dem zweiten Geburtstag in die Kita schicken, ohne etwas für die Betreuung bezahlen zu müssen. Hamburger Eltern profitieren immerhin noch von einer kostenlosen Grundbetreuung im Umfang von 25 Stunden pro Woche inklusive des Mittagessens. In den Ländern Baden-Württemberg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein fallen anders als in anderen Bundesländern auch im letzten Kitajahr Gebühren an.

Selbst innerhalb eines Bundeslandes gleichen die Elternbeiträge laut Studie einem Flickenteppich. „Ein Paar, das in Köln 50.000 Euro brutto verdient und ein anderthalbjähriges Kind 35 Stunden in der Woche betreuen lässt, zahlt dafür im Schnitt 298 Euro monatlich. In Düsseldorf – weniger als 50 Kilometer entfernt und im gleichen Bundesland – würde dasselbe Paar nur 125 Euro bezahlen“, erläutert Studienautor Wido Geis-Thöne.

Gratis-Kitas für alle?

In seiner Untersuchung geht er auch auf das Gute-Kita-Gesetz ein, mit dem der Bund den Ländern bis 2022 über die Umsatzsteuereinnahmen rund 5,5 Milliarden Euro zur Verfügung stellt. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa unter allen Bundesländern ergeben hat, wollen einige Länder ihren Anteil aus dem „Bundestopf“ nutzen, um Eltern von Kitakindern finanziell zu entlasten. Flächendeckende Gratis-Kitas werde es aber wohl nicht geben – eine Entwicklung, die aus Sicht von Geis-Thöne aktuell ohnehin nicht wünschenswert wäre. Momentan sei es wichtiger, „dass möglichst allen Familien, die dies wünschen, ein Betreuungsplatz mit guter Betreuungsqualität zur Verfügung gestellt wird, als dass ihnen die Elternbeiträge erlassen werden“, heißt es dazu in der IW-Untersuchung.

Diskutiert wird in der Studie auch die Frage, ob von Bund und Ländern festgelegte einkommensabhängige Korridore oder Maximalwerte für die Elternbeiträge für mehr Gerechtigkeit sorgen würden. Geis-Thöne warnt in diesem Zusammenhang vor einem Finanzierungsproblem. Würden die Mindereinnahmen von Kommunen mit hohen Kitagebühren nicht aus Bundes- oder Landesmitteln kompensiert, seien die Kommunen unter Umständen gezwungen, das Betreuungsangebot einzuschränken.

Grundlage der IW-Studie sind die Gebührenordnungen von Städten mit mehr als 250.000 Einwohnern und der kleineren Landeshauptstädte. In den Blick genommen wurden Familien mit einem Bruttojahreseinkommen von 30.000 Euro, 50.000 Euro und 90.000 Euro und einem Kind im Alter von 18 Monaten, 30 Monaten und 42 Monaten.

a.mohl(*)derneuekaemmerer(.)de

 

 

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